Selbstbedienung bei der Harburger Tafel?

Vereinsobere hätten sich die „besseren“ Lebensmittel für sich herausgesucht, erklärt ein ehemaliger Mitarbeiter. Die Tafel bestreitet die Vorwürfe. (Foto: Reinhard Schwarz)

Ehemaliges Mitglied erhebt schwere Vorwürfe – Verein spricht von Racheakt

von Reinhard Schwarz, Harburg
Selbstbedienung bei der Harburger Tafel? Ein ehemaliger ehrenamtlicher Mitarbeiter erhebt schwere Vorwürfe gegen die Hilfsorganisation, die Bedürftige mit Lebensmitteln versorgt: Leitende Mitglieder hätten sich regelmäßig die besten Sachen herausgesucht. Die Harburger Tafel bestreitet die Vorwürfe.
Frank Z. (65, Name der Redaktion bekannt), der zwölf Jahre unter anderem als Fahrer bei der Tafel tätig war, erklärt: „Wenn gute Sachen kamen, wie Kaffee, Ente oder Lachs, kamen die gleich in einen separaten Raum in eine Tiefkühltruhe. Wenn kein Betrieb mehr war, haben sich die Vorsitzenden bedient.“ Auch Familienmitglieder seien mit dem Pkw vorgefahren und hätten sich „kistenweise Obst, Gemüse und Wurst eingeladen“. Frank Z.: „Das war bekannt, aber es sprach keiner drüber.“
Bei der Tafel spricht man hingegen von einem Racheakt eines ehemaligen Mitarbeiters. „Der Vorstand hat es wirklich nicht nötig, sich gute Waren zu nehmen“, sagt Heiner Emmert, 2. Vorsitzender. Er bestreitet, dass es einen „separaten Raum“ gibt: „Wenn wir zum Beispiel gefrorenen Fisch erhalten, kommt der in die Tiefkühltruhe und wird hauptsächlich an türkische Familien abgegeben. Wenn zu Weihnachten speziellere Sachen hereinkommen, ist es den Mitarbeitern ausdrücklich verboten, Waren mitzunehmen.“ Emmert räumt jedoch ein, dass ehrenamtliche Mitarbeiter sich nach der Arbeit „bei Bedarf etwas mitnehmen dürfen“.
Doch selbst das „Bei-Bedarf-Mitnehmen“ stößt im Dachverband auf Kritik. Frank Hildebrandt vom Bundesverband Deutsche Tafel, gewählter Vertreter für Hamburg und Schleswig-Holstein, erklärte, diese Praxis sei nicht akzeptabel: „Das ist ja fürchterlich. Wenn sich das bei den Sponsoren herumspricht, bekommen wir keine Lebensmittel mehr. Das können wir uns überhaupt nicht leisten.“
Auf Kritik reagieren die Vereinsoberen offenbar empfindlich. Ex-Mitarbeiter Frank Z. hatte intern die Vorgänge bei der Tafel angeprangert, zuletzt bei einer Mitarbeitersitzung zur Jahreswende 2009/2010. Daraufhin erhielt er ein von den damaligen Vorständlern Ursula Müller, Uwe Jähngen und Wolfgang Nessler unterzeichnetes Schreiben, in dem es heißt: „Aufgrund Ihrer verbalen Entgleisungen bei der Mitarbeitersitzung werden wir ihrem Wunsch nach Vereins-mitgliedschaft erst mal nicht nachkommen.“
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10 Kommentare
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Volker Krutzke aus Harburg | 10.07.2012 | 14:09  
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K. Meser aus Harburg | 11.07.2012 | 08:41  
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Herzog Otto aus Harburg | 11.07.2012 | 10:43  
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R. Kies aus Harburg-City | 11.07.2012 | 12:08  
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Volker Krutzke aus Harburg | 11.07.2012 | 16:38  
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Nancy Haymann aus Harburg | 12.07.2012 | 16:33  
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Armin Fröbel aus Wilhelmsburg | 16.07.2012 | 16:42  
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Armin Fröbel aus Wilhelmsburg | 16.07.2012 | 17:56  
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Volker Krutzke aus Harburg | 19.07.2012 | 22:47  
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Armin Fröbel aus Wilhelmsburg | 28.07.2012 | 18:06  
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