Richter: „Sie haben Vertrauen enttäuscht“

Kein Zutritt für Fotografen und TV-Berichterstatter: Im Saal 390 des Landgerichts Hamburg war das Filmen und Fotografieren verboten. Foto: Schwarz

Gericht verurteilt Marmstorfer wegen Kindesmissbrauchs
zu zwei Jahren und acht Monaten Haft

Von Reinhard Schwarz.
Haftstrafe für Kindesmissbrauch: Olaf B. (41) muss für zwei Jahre und acht Monate ins Gefängnis. Damit entschied sich das Landgericht Hamburg für eine höhere Strafe, als die Staatsanwaltschaft gefordert hatte, die B. nur für zwei Jahre und drei Monate hinter Gittern schicken wollte. Der Verteidiger von B. hatte auf Bewährung plädiert.
Der Marmstorfer war angeklagt, zwei Jungen in drei Fällen sexuell berührt zu haben. Die heute Elfjährigen durften 2014 und 2015 nach Einwilligung der alleinerziehenden Mütter regelmäßig bei dem Mann Fernsehen gucken und übernachten. Dabei kam es zu den Übergriffen.
Als strafmildernd hielt das Gericht dem Angeklagten zugute, dass er bei seinen Taten keinen Zwang angewendet habe und von einem Übergriff abließ, als einer der Jungen die sexuelle Annäherung abwehrte. B. hatte vor rund acht Jahren eine der alleinstehenden Mütter kennengelernt, als diese eine Annonce aushängen wollte und einen „lieben Opi“ suchte, der sich ab und zu um ihre Kinder kümmern sollte.
Nach und nach erwarb B. das Vertrauen nicht nur dieser Mutter, sondern auch anderer Frauen, die später ihre inzwischen zehn- bis dreizehnjährigen Jungen bei ihm übernachten ließen. B. wird von den Müttern als „hilfsbereit“ beschrieben, er ging mit den Jungen zum Schwimmen, lud sie zu McDonalds ein, unternahm Ausflüge. Gegenüber einer Mutter sprach er sogar von „unserm Sohn“ und ließ sich seinerseits als „Patenonkel“ bezeichnen. Dass der „Ersatzvater“ wegen Kindesmissbrauchs zweimal im Gefängnis gesessen hatte, verschwieg er den Müttern wohlweislich.
„Sie haben Vertrauen enttäuscht“, sprach der Richter den Angeklagten direkt an. Bei der Unterstützung der alleinerziehenden Mütter habe es sich um eine „vergiftete Hilfe“ gehandelt. Die beiden betroffenen Jungen sind durch die Taten traumatisiert, weigern sich zur Schule zu gehen und sind in psychotherapeutischer Behandlung.
B. selbst erklärte: „Nach wie vor tut es mir Leid, dass ich Grenzen überschritten habe.“ Er sei zu einem Täter-Opfer-Ausgleich bereit und wolle eine bereits begonnene Therapie fortsetzen.
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