Reicht Hamburgs Winternotprogramm?

Obdachlosigkeit ist auch in Harburg ein Thema. Tagelang campierte eine Gruppe Osteuropäer im Tunnel am Sand.

Nach dem Tod eines Obdachlosen: Debatte
um ausreichend Unterkünfte und Hilfsangebote

Folke Havekost/
Olaf zimmermann.
Obdachlose brauchen Unterschlupf im Winter, aber die Plätze reichen offenbar nicht aus. Viele Wohnungslose übernachten daher trotz Kälte und Nässe im Winter draußen. Die Folgen: Am 13. November wurde ein Obdachloser tot unter der Brücke des U-Bahnhofs Rödingsmarkt aufgefunden.
Gut 2.000 Menschen (über)leben geschätzt in Hamburg auf der Straße. Die meisten in der Innenstadt, nur wenige im Bezirk Harburg. „Nach unserer Kenntnis gibt es im Bezirk eine Gruppe von bis zu 17 Personen, die obdachlos sind“, sagt Bettina Maak, Sprecherin des Bezirksamts Harburg. Dass Obdachlosigkeit aber auch in Harburg ein Thema ist, zeigen zwei Beispiele:
- Bis vor kurzem übernachteten Obdachlose in der Harburger City nachts in SB-Bereichen von Banken. Inzwischen haben die meisten Kreditinstitute ihre Filialen nachts vorsichtshalber geschlossen.
- Viele Tage lang „wohnte“ eine Gruppe aus Osteuropa stammender Menschen im Tunnel am Sand. Was wurde aus ihnen?
Bettina Maak: „Dieser Gruppe wurden Hilfsangebote aufgezeigt und ein Kontakt zur Anlaufstelle für EU-Bürger aus Osteuropa (plata) vermittelt. Vorrangiges Ziel war die Unterbringung der betroffenen Obdachlosen im Winternotprogramm. Es ist übrigens nicht verboten, sich im Tunnel aufzuhalten. Unsere Eingriffsmöglichkeiten waren minimal.“
Das Winternotprogramm wurde in Hamburg in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. „Vor zehn Jahren haben wir das Winternotprogramm mit 250 Plätzen gestartet, in diesem Winter sind wir mit 890 Plätzen angefangen“, weiß Michael Klahn, Amtsleiter der Sozialbehörde. „In Hamburg gibt es ein differenziertes Hilfesystem, um Obdachlosigkeit zu vermeiden. Wir gucken nicht einfach zu.“
Das Winternotprogramm bietet Betroffenen täglich von 17 bis 9 Uhr Unterschlupf an verschiedenen Standorten, die meisten Plätze gibt es in der Münzstraße und am Schaar-steinweg in der Innenstadt.
In den Kirchengemeinden ist das „Angebot an Containerplätzen, die bis zum bis 31. März als Erfrierungsschutz aufgestellt sind, stabil geblieben“, so Steffen Becker, Sprecher der Diakonie. Die St. Trinitatis-Gemeinde in Harburg bietet zwei Plätze, ebenso St. Petrus in Heimfeld.
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