Reicht das Winternotprogramm?

Lebensgefährlich: Obdachlose, die bei klirrender Kälte unter einer Brücke schlafen. Foto: panthermedia

873 zusätzliche Schlafplätze in der Innenstadt – keine in Wilhelmsburg

Olaf Zimmermann, Hamburg-Süd.

Wer im Winter in Hamburg draußen übernachten muss, läuft Gefahr zu erfrieren. Vor einem Jahr, am 13. November 2016, wurde ein Obdachloser tot unter der Brücke des U-Bahnhofs Rödingsmarkt aufgefunden. Geschätzt 2.000 Menschen (über)leben in unserer reichen Stadt auf der Straße. Die Sozialbehörde hat jetzt das Winternotprogramm gestartet. Bis zum 2. April 2018 werden für obdachlose Frauen und Männer 873 zusätzliche Schlafplätze in Gemeinschafts­unterkünften geboten. An zwei Standorten stehen in den von „fördern & wohnen“ betriebenen Einrichtungen 760 Übernachtungsplätze bereit.
Neben dem bekannten Standort Schaarsteinweg 14 mit 360 Plätzen ist der Standort Friesenstraße 22 in Hammerbrook mit 400 Plätzen hinzugekommen. Bei Bedarf kann die Platzzahl an beiden Standorten aufgestockt werden.
Hinzu kommen zusätzliche 113 Plätze in Wohncontainern bei Kirchengemeinden und weiteren Einrichtungen. Wichtig: Die Übernachtung kann anonym in Anspruch genommen werden und ist kostenlos.
In der Praxis haben es Obdachlose aus Osteuropa deutlich schwerer, eine Unterkunft zu finden. Denn wird in einem Beratungsgespräch festgestellt, dass sie in ihrem Heimatland einen festen Wohnsitz haben, wird den Betroffenen nahegelegt, möglichst schnell in die Heimat zurück zu gehen. Während des Winternotprogramms 2016/17 wurde 521 obdachlosen EU-Bürgern die Rückreise finanziert, „da Selbsthilfe-Möglichkeiten im Heimatland vorhanden waren.“
Stephan Nagel, Referent für Wohnungslosenhilfe der Diakonie: „Besonders Obdachlosen aus Osteuropa wird unterstellt, sie seien freiwillig obdachlos, sie sollten deshalb besser wieder nach Hause fahren. Doch die Menschen gehen nicht zurück in ihre Heimat und bleiben dort. Sie kommen wieder, weil sie zuhause ihre Kinder nicht ernähren können. Und als EU-Bürger haben sie auch das Recht dazu, hier zu sein.“
Im Hamburger Süden ist Obdachlosigkeit offiziell kein Thema. Im Hamburger Süden ist Obdachlosigkeit offiziell kein Thema. „Uns sind namentlich 15 Personen bekannt“, sagt Harburgs Bezirksamtssprecherin Bettina Maak, „Personen aus Süderelbe sind nicht dabei.“ Vor einem Jahr hatte eine Gruppe Osteuropäer tagelang in Tunnel am Sand „gewohnt“, andere Obdachlose hatten im SB-Bereich von Banken in der Harburger City oder in Wilhelmsburg in Autos übernachtet.Staatliche Unterkünfte im Rahmen des Winternotprogramms gibt es weder im Bezirk Harburg noch in Wilhelmsburg, nur in der Innenstadt. „Wegen der Kombination von Unterbringung und Sozialberatung erhoffen wir uns kurze Wege zu den sozialen Beratungsstellen“, erläutert Marcel Schweitzer, Sprecher der Sozialbehörde.
Die vom Harburger DRK am Außenmühlenweg 10 geplante Wohnunterkunft für Obdachlose wird erst im Januar öffnen. Hier werden bis zu 15 Männer und Frauen ohne feste Bleibe einen sicheren Schlafplatz bekommen.
Laut Sozialbehörde gilt: Niemand muss in Hamburg in frostigen Nächten auf der Straße schlafen.

Wo gibt es Hilfe?
PlatzvermittlungWer einen Schlafplatz braucht, kann sich direkt bei einem der beiden Übernachtungsstandorte von fördern & wohnen in der Friesenstraße 22
(Tel 42835-3749) oder im Schaarsteinweg 14
(Tel 33 47 39-1012) melden.

Kirchengemeinden
Wer einen der Schlafplätze in den Wohncontainern der Kirchengemeinden und Hochschulen erhalten möchte, wendet Sie sich bitte an folgende Einrichtungen:
Montag bis Freitag von 11 bis 16 Uhr : Diakonie-Zentrum für Wohnungslose,
Bundesstraße 101,
U2 Christuskirche,
Tel 40 17 82 11
Ab 16 Uhr und am
Wochenende: Bahnhofsmission Hauptbahnhof,
Steintorwall 20,
Tel 39 18 44 00



Obdachlose Frauen: Mo./Do./Sa./So. 14 bis 19 Uhr und Mi. 10 bis 15 Uhr: Tagestreff „Kemenate”, Charlottenstraße 30,
U2 Emilienstraße,
Tel 430 49 59

Hilfe für obdachlose EU-Bürger
Plata
Rosenallee 11, Tel 28 00 43 12
mo/mi/fr 10 bis 12 Uhr
Beratung insbesondere für obdachlose Menschen aus Osteuropa

ABB-Service Team: Aufsuchende Beratung und Begleitung für besonders benachteiligte EU-Zuwanderer
Bulgarische Beratung:
Tel 84 13 51

Rumänische Beratung: Tel 01575/34 50 583

Deutsch: Tel 0176/38 52 52 72
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