Raus aus der Schuldenfalle

Matthias Butenob leitet in Harburg die H.S.I. – Hamburger Schuldner- und Insolvenzberatung. Foto: sl
SABINE LANGNER, HARBURG
Seit 25 Jahren arbeitet die Frau in einem Drogeriemarkt. Doch dann meldet die Firma Insolvenz an. Mit 55 Jahren einen neuen Job zu finden, ist schon schwer. Aber mit dem Arbeitslosengeld oder gar Hartz IV die Raten für die Couchgarnitur zu zahlen, ist unmöglich. Die erste Mahnung kommt, die zweite und schließlich Briefe von Insolvenzunternehmen. Plötzlich steht ein Gerichtsvollzieher vor der Tür. Oder das Konto wird gepfändet.

Fälle wie diesen hat Matthias Butenob jeden Tag auf dem Tisch. Der 42-jährige Jurist leitet die Hamburger Schuldner- und Insolvenzberatung, kurz H.S.I., am Martin-Leuschel-Ring. Zu ihm und den anderen zwölf Mitarbeitern kommen jedes Jahr rund 500 Menschen, die so tief in der Schuldenfalle sitzen, dass sie sich selber daraus nicht mehr befreien können. „Es ist ein großer Irrtum, zu glauben, dass nur Menschen sich hoch verschulden, weil sie die Verträge nicht ordentlich gelesen haben“, stellt Matthias Butenob klar. Viel öfter trifft er Menschen, die arbeitslos geworden sind, die sich vom Partner getrennt haben oder krank geworden sind.

Ganz typisch seien Menschen, die nach einer Trennung erst mal in ein tiefes Loch fallen, Briefe nicht mehr öffnen und erst nach einer ganzen Weile merken, dass sie ein massives Problem haben. Aber natürlich gäbe es auch die jungen Leute, die erst nach einer Weile realisieren, dass der Strom nicht Teil der Miete ist, oder die sich mit dem Handy um Kopf und Kragen telefoniert haben.

Für Matthias Butenob und sein Team spielt es keine Rolle, wie jemand in eine Schuldenfalle geraten ist. „Wir machen keine Vorwürfe und wir urteilen nicht. Jeder ist willkommen und in den allermeisten Fällen können wir auch helfen“, sagt der gelernte Anwalt. Dafür müssen erst mal alle Unterlagen sortiert werden. Sind die vollständig, wird geprüft, ob die Forderungen überhaupt seriös sind, oder ob jemand in eine fiese Falle getappt ist. In jedem Fall nehmen die H.S.I.-Mitarbeiter Kontakt mit den Gläubigern auf. Im besten Fall handeln sie einen Vergleich aus, wie die Schulden in erträglichen Raten zurückgezahlt werden können. Manchmal bleibt nichts anderes übrig als eine Privatinsolvenz anzumelden.

Info
Die H.S.I. arbeitet im Auftrag der Hansestadt Hamburg. Es gibt bestimmte Einkommensgrenzen, aber für die meisten Hilfesuchenden ist die Beratung kostenlos. Sechs solcher Schuldnerberatungsstellen gibt es in Hamburg. In Harburg ist die H.S.I. die einzige kostenlose Beratungsstelle. Dementsprechend kommen 80 Prozent der Ratsuchenden aus dem Süderelberaum. Der Bedarf ist groß und die Warteliste lang. Bis zu drei Monaten warten Hilfesuchende manchmal. „Aber für dringende Notfälle haben wir eine Notfallsprechstunde jeden Mittwoch von 10 bis 12 Uhr“, sagt Matthias Butenob. Mehr Infos: H.S.I. – Hamburger Schuldner- und Insolvenzberatung, Martin-Leuschel-Ring 14, Tel. 41 36 08-0
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