Polizei ermittelt gegen schwimmende Rußschleuder

Die Yang Ming Utmost verpestete die gesamte Umgebung auf ihrem Weg aus dem Hamburger Hafen. Foto: Tanja Schaltenberg

Containerschiff Yang Ming Utmost stieß bei ihrer Abfahrt gigantische
schwarze Wolken aus. Polizei und Feuerwehr alarmiert

Von Christiane Handke. Finkenwerder.
Das Containerschiff der Reederei Yang Ming heißt Utmost. Übersetzt: die Höchste, Größte, Riesigste. Der Name kommt hin. Denn das Schiff ist verantwortlich für eine der spektakulärsten Umwelt-Schweinereien, die Spaziergänger, Touristen und Anwohner am Oevelgönner Elbstrand je aus nächster Nähe erlebt haben.
Am Sonnabend glitt der Containerriese gegen 18.40 Uhr aus dem Hamburger Hafen in den Sonnenuntergang – und spuckte auf Höhe Oevelgönne enorme pechschwarze Rußwolken aus. Diese waren so auffällig, dass Herzpatient Wolfgang Westphal gemeinsam mit einigen Krankenschwestern am Fenster im 15. Stock der knapp zwei Kilometer entfernten Asklepios Klinik Altona überzeugt war: Im Hafen brennt es.
Wochenblatt-Leserin Tanja Schaltenberg befand sich auf der Fähre von Finkenwerder nach Altona, als das Dampf-Schiff vorbeikam. Ihr Kommentar: „Dieses Schiff hat wirklich komplett schwarzen Rauch ausgestoßen. Ich stand unten und konnte beobachten, wie sich die Scheiben schwarz färbten vom Ruß. Die Leute, die oben saßen, sind sicherlich dem Tod ein Jahr näher gekommen, da sie bestimmt komplett schwarz waren. So etwas geht gar nicht!“
Auf den Speisen, die auf den Terrassen der Elb-Restaurants serviert wurden, lagen Rußflocken. Besorgte Bürger riefen Polizei und Feuerwehr an und meldeten massive Geruchs- und Qualmbelästigung. Die Wasserschutzpolizei war schon zu diesem Zeitpunkt davon überzeugt, dass der Versuch, hinter dem Frachter herzufahren und ihn anzuhalten, vergeblich sein würde. Die Utmost hatte bereits Fahrt aufgenommen. Polizeipressesprecherin Ulrike Sweden: „Das Schiff ist 335 Meter lang, das hat einen enorm langen Bremsweg und wäre gar nicht mehr auf Hamburger Gebiet zum Stehen gekommen.“ Über Funk sprach man den 52-jährigen Kapitän an: Ob es an Bord technische Probleme gebe? Alles in Ordnung, war die Antwort. Und das mit dem Rauch werde sich schon legen.
Inzwischen war die Rußwolke nach Nordwesten abgedriftet und hatte Rauchmelder am Krankenhaus Altona und im Bugenhagenhaus an der Osdorfer Landstraße, drei Kilometer von der Elbe entfernt, ausgelöst.
Über das Bundeskriminalamt wurden die Behörden in Rotterdam um Hilfe gebeten. Dort traf die Utmost am Sonntagabend ein. Ermittler gingen an Bord und überreichten dem Kapitän einen Fragenkatalog, den er ausfüllen muss. Dienstagmittag legte das Schiff von Rotterdam ab. Es fährt erst nach Le Havre und dann weiter nach Colombo.


NABU warnt
Offensichtlich hatte die Yang Ming Utmost bereits im Hafen unerlaubterweise auf Schweröl umgestellt, befürchtet der Naturschutzbund NABU. „Das Verfeuern von Schweröl ist de facto Offshore-Müllverbrennung. Es ist angesichts der Folgen für Klima, Umwelt und besonders für die menschliche Gesundheit ein Skandal, dass es außerhalb von Häfen oder spezieller Kontrollgebiete überhaupt eingesetzt werden darf. Mitten in einer Großstadt ist der Einsatz aber kriminell und muss verfolgt werden“, sagt Malte Siegert, Leiter Umweltpolitik beim NABU Hamburg. Im Hafen selbst müssten Kreuzfahrt-oder Containerschiffe eigentlich auf einen Dieselkraftstoff umstellen Dieser darf maximal 0,1 Prozent Schwefelanteil haben und stößt bei der Verbrennung entsprechend weniger Schwefeldioxid, Stickoxid oder Rußpartikel aus.
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