Pflegebett für behinderten Jungen auf Klassenreise

Jetzt konnte Milan doch noch mit nach Plön fahren. Foto: pr (Foto: Foto: ast)

Schule Elfenwiese: Wie Milan (13) doch noch mit auf Klassenreise konnte

ANDREA STEIN, HARBURG. Der 13jährige Milan aus Lüneburg leidet an Muskeldystrophie: seine Muskeln bilden sich aufgrund eines Gendefektes immer mehr zurück. In den ersten Jahren ist diese Krankheit relativ unauffällig, irgendwann aber fällt das Gehen schwer. Zwischen dem 5. und 10. Lebensjahr entwickeln die Kinder an den Gelenken Sehnenverkürzungen, die ihre Bewegungsfähigkeit weiter einschränken. In Deutschland leiden etwa 2.500 Kinder, Jungendliche und junge Erwachsene an dieser unheilbaren und tödlich endenden Krankheit.
Milan ist bereits seit geraumer Zeit auf den Elektro-Rollstuhl angewiesen. Seit diesem Sommer geht er auf die Schule für Körperbehinderte an der Elfenwiese. Ein Schulwechsel von Lüneburg nach Harburg war notwendig geworden, weil die integrative Schule dort den pflegerischen Aufwand nicht mehr leisten konnte.
In der Harburger Schule stand zu Beginn des neuen Schuljahres als erstes eine Klassenreise an. Nach Plön in Schleswig-Holstein sollte es gehen, mit Therapeuten, Lehrern und natürlich allen Kindern. Auch Milan sollte mit, doch der Junge benötigt ein Pflegebett. Ein solches Bett, das ihm ein bequemes Liegen trotz seiner Behinderung ermöglicht, hat er zwar zuhause, doch natürlich nicht in der Jugendherberge in Plön.
„Wir haben bei der Krankenkasse nachgefragt, ob die Kosten für ein Bett übernommen werden“, sagt Birgit Iwe, zuständige Physiotherapeutin an der Schule Elfenwiese. „Doch die Krankenkasse noch die Pflegekasse wollten zahlen.“ Dabei, so Iwe, wären es lediglich Kosten in Höhe von 190 Euro gewesen. Soviel muss man nämlich zahlen, wenn man ein solches elektrisches Pflegebett von einem Sanitätshaus leiht. „Die liefern das Bett, bauen es auf und holen es auch wieder ab.“
Für die zuständige Krankenkasse war der Fall jedoch klar: „Kosten für Pflegebetten werden nur im häuslichen Umfeld übernommen“, so Carsten Sievers, Sprecher der AOK Niedersachsen. „Da haben wir auch keinen Ermessensspielraum.“
Birgit Iwe aber gab nicht auf. Im Internet fand sie schließlich eine Stiftung, die speziell Betroffene mit der Muskeldystrophie Duchenne in Notfällen unterstützt. Sie schrieb der Heimer-Stiftung in Bielefeld abends um 22 Uhr eine Mail und am nächsten Morgen um 9 Uhr hatte sie die telefonische Zusage, dass die Stiftung die Kosten übernehmen werde. „Milan hat die Klassenreise sehr genossen“, sagt die Physiotherapeutin. Mit seinem Rollstuhl ist er immer noch sehr mobil und kann ihn wirklich exakt steuern. „Er ist ein toller Rolli-Fahrer!“
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