Nur ein Freundschaftsdienst

Rainer Bliefernicht hatte eine Idee für eine Flüchtlingsunterkunft – allerdings nicht in Marmstorf. Foto: mag

CDU-Mann Rainer Bliefernicht lehnt offiziell Flüchtlingsunterkünfte
in Harburg ab ­– er bietet der Behörde aber ein Hotel
in Hausbruch als Standort an

Von Andreas Göhring.
Lange Zeit hatte sich der meinungsstarke CDU-Bezirksabgeordnete Rainer Bliefernicht in den Debatten um die Unterbringung von Flüchtlingen öffentlich zurückgehalten. Als Juniorpartner in einer großen Harburger Koalition und als Parteigänger der Bundeskanzlerin, die die deutsche Flüchtlingspolitik maßgeblich bestimmt, muss man offenbar manchmal auch Diplomat sein. Doch seit es nun auch konkrete Planungen für zwei Unterkünfte in seiner Nachbarschaft gibt, dreht Bliefernicht ordentlich am Rad. Er sei gewählt – und zwar mit einem hervorragenden persönlichen Ergebnis – um die Interessen der Menschen in seinem Wahlkreis zu vertreten, sagt der CDU-Mann, und dazu gehöre es auch, „unbequeme Wahrheiten auszusprechen“.

„Habe dreimal angerufen“

Bliefernicht hat vielleicht bald ein Problem: Jetzt tauchen auch Wahrheiten auf, die für ihn unbequem sein könnten. Als die Pläne für die Unterkünfte am Sinstorfer Kirchweg und am Leuchtkäferweg vorgestellt wurden, hatte Bliefernicht im Immanuel-Kant-Gymnasium sein Heimspiel, prompt gab er den harten Hund: „So lange die Flüchtlinge nicht gerecht über alle Bezirke verteilt werden, wird die CDU keiner weiteren Unterkunft in Harburg zustimmen.“ Diesen Auftritt wiederholte er in der Bezirksversammlung: Keine Flüchtlinge nach Harburg!
Was Bliefernicht allerdings nicht sagte: Zwischen Info-abend und Bezirksversammlung soll er bei Heie Kettner angerufen haben, also bei jenem Mann, der in der Sozialbehörde zuständig für die Suche nach neuen Standorten für die Flüchtlingsunterbringung ist. Und Bliefernicht soll Kettner das Berghotel „Hamburg Blick“ in Hausbruch als Unterkunft angeboten haben. Eigentümer des Hotels: Ali Cekirdek, bis Mitte 2013 Wirt des „Schützenhofs Marmstorf“ und Nachbar von Bliefernicht. Doch Flüchtlinge nach Harburg – nur nicht nach Marmstorf?
Bliefernicht: „Ja, ich habe Kettner angerufen. Für meinen Freund Ali. Dreimal sogar, das erste Mal im Herbst 2015. Danach habe ich nur noch nachgefragt, was aus der Sache geworden ist.“ Danach wechselt er schnell das Thema und begründet noch einmal ausführlich, warum er die Verteilung der geflüchteten Menschen in Hamburg für ungerecht hält.
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