Muss der Bus vor der Haustür halten?

Von der Bushaltestelle Winsener Straße/Am Frankenberg aus sind es rund 350 Meter bis zur Seniorenwohnanlage Am Frankenberg. „Die Seniornwohnanlage ist damit angemessen erschlossen“, urteilt der HVV. Foto: sl

Von der Seniorenwohnanlage Am Frankenberg bis zur nächsten Haltestelle sind es 350 Meter - Bewohner möchten neue Haltestelle

Braucht eine Seniorenwohnanlage eine Bushaltestelle vor der Haustür? „Ja“ meinen Bewohner der Marmstorfer Seniorenwohnanlage Am Frankenberg. „Nein“, sagt Gisela Becker, Sprecherin des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV). Bis zur nächsten Haltestelle sind es 350 Meter. „Das ist angemessen.“
Ruth und Günter Siggelkow sind in diesem Jahr in die Seniorenwohnanlage Am Frankenberg gezogen. „Schnell habe ich bemerkt, wie mühsam es ist, auch nur ganz wenige Lebensmittel von der Winsener Straße oder vom Jägerfeldweg nach Hause zu tragen... Uns Älteren wäre schon geholfen, wenn es in eine Richtung eine Busfahrmöglichkeit gebe. Nämlich: Am Frankenberg, Bahnhof Harburg, Zum Jägerfeldweg, Am Frankenberg“, beschreibt Ruth Siggelkow. Immer wieder haben Bewohner der Seniorenwohnanlage sich hierfür eingesetzt, auch mit Unterschriftenlisten. Vergeblich.
Wegen der 350 Meter Entfernung zu den Haltestellen Winsener Straße/Am Frankenberg und Zum Jägerfeld „besteht grundsätzlich keine Notwendigkeit einer zusätzlichen Erschließung“, argumentiert der HVV.
Außerdem müssten hierfür weitere Busse eingesetzt werden - und die Kosten „können für jeden zusätzlich einzusetzenden Bus mehrere hunderttausend Euro pro Jahr betragen.“ Selbst bei hoher Nachfrage würde diese Summe, so der HVV, über Fahrgeldeinnahmen nicht annähernd abgedeckt.
Auch sollen Lkw und Busse möglichst aus der schmalen Straße herausgehalten werden. Anwohner hatten über Lärmbelästigungen geklagt, an einigen Häusern sind durch Erschütterungen Schäden entstanden. Der Frankenberg wird derzeit von Bussen auf Leerfahrten sowie von der Nachtbuslinie 643 befahren. Gisela Becker: „Bei einer gewünschten Tagesbedienung würde sich die Zahl der Fahrten um ein Vielfaches erhöhen und damit zu einer deutlichen Belastung der Straße und damit der Anwohner führen.“
Harburgs SPD-Verkehrsexperte Frank Wiesner sieht eine kleine Chance für eine zusätzliche Haltestelle: „Ich könnte mir eine Busverbindung mit stündliche Fahrten vorstellen. Denkbar wäre auch eine Verschwenkung der Buslinie 146 über den Sinstorfer Weg und Am Frankenberg. Allerdings muss dann noch eine Lösung für die Schulverkehre gefunden werden.“


Hintergrund
Bereits seit mehr als 20 Jahren gilt in der Straße Am Frankenberg zwischen Langenbeker Weg und Winsener Straße ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern, das aufgrund von Fahrbahnschäden eingerichtet wurde. Noch für dieses Jahr ist nun eine Grundinstandsetzung geplant. Mit deren Fertigstellung wird auch das Tempolimit fallen - obwohl dies in Harburg über allen Parteigrenzen hinweg abgelehnt wird.
Am Frankenberg sei eine Hauptverkehrsstraße, da könne man nichts machen, heißt es aus der Fachbehörde. Das Problem: Schon jetzt beschweren sich Anwohner darüber, dass Busse und Lkw das Tempolimit überschreiten. Seit 2003 Poller entfernt wurden, weichen Fahrzeuge sogar immer wieder auf Gehwege aus, um entgegenkommendem Verkehr auszuweichen.
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2 Kommentare
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Sebastian Jiske aus Heimfeld | 11.10.2012 | 19:25  
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Manfred Hagel aus Harburg | 13.10.2012 | 13:09  
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