Mütterberatung vor dem Kollaps

Neun Mitarbeiter der Mütterberatung müssen gehen. Mit ihrer Unterstützung konnte das Angebot ausgeweitet werden, jetzt wird wieder zurückgefahren. Foto:ast
Neun LBK-Rückkehrer müssen gehen - bisheriges Angebot ist nicht mehr aufrecht zu erhalten
ANDREA STEIN, HARBURG
Das Angebot der Mütterberatung wird es in seiner jetzigen Form nicht mehr lange geben. Bis Sommer 2013, vermutlich aber schon früher, werden neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Platz räumen müssen. Der Grund: bei den Mitarbeitern handelt es sich um sogenannte LBK-Rückkehrer (s. Kasten), deren Beschäftigung im Harburger Gesundheitsamt zeitlich begrenzt war. Der Abzug dieser Mitarbeiter sei fatal, heisst es aus Kreisen der Mütterberatung. Mit einem eng vernetzten und niedrigschwelligen Angebot habe man viele Mütter und ihre Familien erreichen können. Doch die Arbeit sei mit weniger Personal nicht mehr machbar.
Die neun ehemaligen LBK-Angestellten wurden seit 2008 in der Mütterberatung in Harburg und Süderelbe eingesetzt. Dadurch konnte die Anzahl der Mütterberatungsstellen von 6 auf 12 Standorte erhöht werden. Hier arbeiten Ärztinnen, Hebammen, Krankenschwestern und Kinderkrankenschwestern präventiv: sie sollen Familien und ihre Kinder beraten und begleiten, bevor Probleme auftreten und womöglich das Kindswohl gefährdet ist. Ein erster Kontakt beginnt daher oft schon auf den Entbindungsstationen der Harburger Kliniken.
„Wichtig sind auch die Hausbesuche bei Neugeborenen“, sagt Marianne Witten von der Beratungsstelle Frühe Hilfe, die eng mit der Mütterberatung zusammen arbeitet. „Früher haben wir die Familien nur bei dem Erstgeborenen besuchen können. Mit den zusätzlichen Mitarbeitern auch bei allen folgenden“, sagt die Psychologin. „Die Probleme durch Überforderung fangen ja erst bei mehreren Kindern an.“
Dieses und viele andere Angebote sind zukünftig wohl nicht mehr machbar. „Das macht mir Sorge“, sagt Treeske Fischer (CDU). „Zudem gehen auch noch Mitarbeiterinnen in Rente.“ Auch der Sprecher des Sozialausschusses, Bernd Kähler (SPD), sieht die Problematik, aber: „Es war klar, dass die Arbeit nicht fortgeführt werden kann.“
Die Mitarbeiter haben, so Sozialdezernent Holger Stuhlmann, „quantitativ und qualitativ neue Standards gesetzt. In dem Maße, wie sie auf feste Stellen untergebracht werden, wird es von daher zu Einschränkungen kommen. Das ist bedauerlich, war aber absehbar.“ Freie Stellen im Bezirksamt Harburg gibt es auf absehbare Zeit übrigens nicht.



Beim Verkauf des landeseigenen Landesbetrieb Krankenhäuser (LBK) 2005 an die private Asklepios-Kliniken GmbH hatte der CDU-Senat den Mitarbeitern angeboten, dass sie auf Wunsch in den öffentlichen Dienst zurückkehren können. Doch statt der erwarteten rund 500 Mitarbeiter wollen über 1.500 ehemalige LBK-Angestellte von dem Angebot Gebrauch machen. Viele wurden und werden in zeitlich begrenzten Projekten eingesetzt. Nur knapp die Hälfte wurde bisher auf feste Stellen vermittelt - die auch branchenfremd sein können.
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