Mit einem Bein im Knast

Karin Dunker und ihr Chihuahua „Arni“ haben Ärger mit den Hamburger Behörden, weil der Hund nicht im Hunderegister eingetragen war. Foto: sl

Hundebesitzerin Karin Dunker kannte das Hunderegister nicht

Von Sabine Langner.
Karin Dunker versteht die Welt nicht mehr: „Ich stehe mit einem Bein im Knast.“ Die 71-jährige Harburgerin hat sich vor dreieinhalb Jahren einen kleinen Chihuahua gekauft. Sie hat ihren „Arni“ ordnungsgemäß impfen und chippen lassen, sie zahlt Hundesteuer und eine Haftpflichtversicherung. Jetzt droht ihr ein Bußgeld, weil sie ihn nicht im Hunderegister hat eintragen lassen.
Bei einem abendlichen Spaziergang mit Arni traf Karin Dunker einen Nachbarn mit Hund. „Arni“ war an der Leine, der andere Hund lief frei herum. Der größere Hund stürzte sich auf „Arni“ und biss zu. Karin Dunker und der andere Hundehalter lieferten sich daraufhin ein erbostes Wortgefecht über den Leinenzwang, der in Hamburg Vorschrift ist.
„Ich habe mich so sehr über den Nachbarn geärgert, und mein Hund war drei Tage lang krank. Also habe ich den Bezirklichen Ordnungsdienst (BOD) informiert“, sagt Karin Dunker. Das war, wie sich herausstellte, ein grober Fehler. Denn der BOD konnte zwar den Halter des anderen Hundes ausmachen, stellte aber gleichzeitig fest, dass „Arni“ nicht im Hunderegister eingetragen ist.
Karin Dunker, die bisher noch nie etwas von dem Hunderegister gehört hatte, meldete „Arni“ sofort an. Das Resultat war ein Schreiben vom Verbraucherschutzamt. Ihr wurde mitgeteilt, dass sie gegen das Hundegesetz von 2006 verstoßen habe. Paragraph 13 beinhalte die Pflicht, jeden Hund anzumelden. Da sie dies viel zu spät getan habe, drohe ihr jetzt ein Bußgeld. „Ich habe dort angerufen und gefragt, wie teuer so eine Ordnungswidrigkeit sein könnte“, berichtet Karin Dunker. „Die Dame vom Amt sagte mir, das würde zwischen 50 und 50.000 Euro liegen. Wenn ich das nicht zahlen würde, könnte ich auch in Erzwingungshaft genommen werden. Ich bin sprachlos. Ich werde behandelt, als wäre ich kriminell. Ich bin sicher, dass viele Hundebesitzer nichts von diesem Hunderegister wissen.“
Das Nichtwissen schütze allerdings nicht vor Strafe, teilt das Bezirksamt mit. „Als Hundebesitzer hat man die Pflicht, sich zu informieren“, weiß Sprecherin Beatrice Göhring. Gab es im Bezirk für säumige Hundebesitzer tatsächlich schon einmal Erzwingungshaft? Dazu kann Beatrice Göhring nichts sagen. „Verstöße gegen das Hundegesetz werden nicht statistisch erfasst.“


In Hamburg ist jeder Hundehalter verpflichtet, sein Tier im so genannten Hunderegister anzumelden. Dazu gehören Name, Anschrift und Geburtsdatum des Hundehalters, Chipnummer und Rasse des Hundes, Name, Geschlecht und Geburtsdatum des Hundes sowie eine Bescheinigung über das Bestehen einer Haftpflichtversicherung. Wird diese Anmeldung versäumt, droht ein Bußgeld bis zu 50.000 Euro. Laut Behördenratgeber ist die Anmeldung im Hunderegister gleichzeitig die Anmeldung zur Hundesteuer.
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2 Kommentare
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Rudolf Lessing aus Wilhelmsburg | 20.12.2012 | 21:10  
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Daniel Vorrath aus Harburg | 02.01.2013 | 17:36  
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