Mini-Kamera im Umkleideraum

Aus dem Harburger Amtsgericht

„Ich wollten sehen, wie sie unter dem Arbeitszeug aussieht“, erkärt Rüdiger A. (29). Der Ex-Arbeiter in einer Harburger Logistik-Firma hatte deshalb eine kleine Kamera im Damen-Umkleideraum installiert. Damit sollten Bilder vor allem von Kollegin G. gemacht werden. In die war A. offensichtlich verknallt, konnte aber trotz Blumengeschenken nicht bei ihr landen landen.
Beim Feierabend-Bier hatte er zuvor - angeblich gemeinsam mit dem Kollegen Daniel L.(27) - einen Plan geschmiedet: man wollte eine Mini-Kamera (40 Euro) bestellen und diese mit Klebeband an der Heizung des Umkleideraums anbringen. Gesagt, getan. Rüdiger A. bringt die kleine Filmkamera am 4. April 2011 kurz vor Schichtbeginn an, sichtet noch am gleichen Tag das „Material“, so seine Wortwahl, ist aber nicht zufrieden: „Das war nicht das, was wir uns vorgestellt hatten.“ Er klebt die Kamera erneut an die Heizung, wo sie am nächsten Abend entdeckt wird. Sein Pech: die Kamera, die bei Bewegung auslöst, hatte ihn beim Anbringen des Gerätes gefilmt. A. war somit überführt und flog umgehend aus der Firma.
Bei seiner polizeilichen Vernehmung gab er jedoch an, dass er die Tat gemeinsam mit Daniel L. geplant und durchgeführt habe. Beide Männer bekommen einen Strafbefehl über 1.800 Euro. A. akzeptiert und zahlt. Doch L. erhebt Einspruch und so landete der Fall jetzt vor dem Harburger Amtsgericht. „Ich dachte, das ganze sei ein Spass“, schildert Daniel L. seine Sicht der Dinge. Ja, A. habe ihm den Prospekt mit den Kameras gezeigt und ihm am besagten Tag auch erzählt, dass er eine Kamera angebracht habe. Aber er habe weder die Kamera mit ausgesucht, noch bezahlt, noch sie heimlich an die Heizung geklebt.
Rüdiger A., der wegen der Anerkennung des Srafbefehls als Zeuge gehört wird, verstrickt sich bei den Fragen der Richterin in Widersprüche. Immer mehr wird deutlich, dass die Tat alleine auf das Konto des 29-Jährigen geht. Das Gericht spricht Daniel L. schließlich frei, jedoch nicht, ohne mahnende Worte an ihn zu richten: „Wenn man von solchen Dingen weiß“, so die Richterin, „muss man aktiv werden, um sie zu verhindern.“ Eine Beihilfe oder gar Mittäterschaft sei nicht nachzuweisen, lediglich eine Mitwisserschaft. Und die sei in diesem Fall zwar moralisch verwerflich, aber nicht strafbar.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.