Mehr als nur ein PR-Gag?

Seit Mai 2008 kümmert sich der Bezirk Harburg um den Grasfrosch. Foto: NABU

Alle Bezirke haben Patentiere – aber nicht
alle Paten sprühen vor Engagement

Was gibt’s in jedem Hamburger Bezirk? Eine U-Bahn-
Station, ein Patentier oder einen weiblichen Ehrenbürger? Klare Sache: Antwort B ist korrekt: Seit 2008 haben alle Bezirke Patentiere. Keine Exoten wie Flamingo oder Löwe sondern einheimische Tiere: Kiebitz (Altona), Grasfrosch (Harburg), Sperling (Mitte) oder Großer Abendsegler (Eimsbüttel). Aber haben die Paten auch tatsächlich Maßnahmen zum Schutz der ihnen anvertrauten Tiere entwickelt? Oder ist alles nicht mehr als ein netter PR-Gag? Das Wochenblatt hat bei den Bezirken nachgefragt und auch Experten vom NABU um deren Meinung gebeten.

Grasfrosch
Der plump wirkende Grasfrosch kann eine Grösse von bis zu 11 cm erreichen. Normalerweise ist er aber zwischen 7-9 cm gross. Die Weibchen werden geringfügig größer als die Männchen. Grasfrösche sind sehr variabel gefärbt. Ihre Färbung reicht von braun über gelb, orange bis grau.
Der Grasfrosch ist mit fast allen Gewässern als Laichgewässer zufrieden, bevorzugt jedoch Tümpel mit flachen und vegetationsreichen Stellen, die besonnt werden und nur selten austrocknen. Fischfreie, naturnahe Gartenteiche sind ebenfalls ein beliebter Laichplatz.
Die Grasfrösche finden sich an den Laichplätzen zeitig im Frühjahr ein, wenn die Temperaturen über 10°C steigen und die Witterung feucht ist. In Deutschland ist der Grasfrosch von der Nord- und Ostseeküste bis in die Alpen noch mehr oder weniger geschlossen verbreitet, in einigen Gebieten sind die Bestände deutlich zurückgegangen.

Harburg: der Grasfrosch
Was hat der Bezirk Harburg für sein Patentier getan? In den Jahren 2009/2010 wurden im Neugrabener Moorgürtel und im Eißendorfer Forst (Kosten: rund 130.000 Euro), 2012 in Moorburg mehrere Laichgewässer angelegt.
Im Bereich Vahrendorfer Stadtweg hat der Bezirk 2012/2013 die Amphibienwanderstrecke aus dem Wald zum Laichgewässer mit festen Leiteinrichtungen ausgestattet. Durch einen kleinen „Tunnel“ können die Amphibien jetzt ungefährdet die Straße überqueren. „Das funktioniert auch“, kommentiert Karl-Heinz Alpheus, Landschaftsplaner im Bezirksamt, zufrieden. Kosten dieser Schutzmaßnahme: 50.000 Euro.
Außerdem stellt der Bezirk in der Zeit der Amphibienwanderung mobile Zäune auf, etwa in Neuland und am Falkenbergsweg. 2017 sollen An der Landscheide und an der Engelbek weitere Lebensräume für Amphibien, meist kleine Laichgewässer, geschaffen werden.
Im Bereich Neuland-Ost werden großflächig Maßnahmen für Amphibien durchgeführt, unter anderem werden flache Laichgewässer angelegt. Ähnliches ist im Bereich südlich Großmoordamm geplant. Hiervon profitiert auch der Grasfrosch.
Diese Maßnahmen werden zum Ausgleich für diverse Eingriffe in die Natur, etwa durch den Bau der A26, durchgeführt. Der Bezirk muss sich hier weder um Finanzierung noch Planung kümmern.

Das sagt der NABU
Wie beurteilt der NABU die Harburger Aktivitäten für den Grasfrosch?
„Im Bezirk Harburg haben gezielte Maßnahmen zur Förderung von Amphibienbeständen - von denen auch der Grasfrosch profitiert - stattgefunden“, sagt NABU-Sprecherin Birgit Hilmer. Außerdem wurde ein Info-Flyer erstellt, mit einem Aufruf an die Bürger, Grasfrosch-Beobachtungen zu melden und 2009/2010 ein Gutachten über Grasfrosch-Vorkommen im Bezirk Harburg in Auftrag gegeben.
Fazit der NABU-Sprecherin: „Trotz positiver Handlungsansätze gibt es auch im Bezirk viele geplante und bereits umgesetzte Baumaßnahmen, die den Schutz des Grasfrosches sehr gefährden – etwa Autobahn A26, Hafenquerspange, Umgehungsstraße Finkenwerder, Logistik-Park Neuland 23, Groß-Wohnbauprojekte Elbmosaik/Vogelkamp, Sandbek-West, Vollhöfener-Weidenwald (Altenwerder-West.
Eingriffe im Moor- und Marschbereich haben den Grasfrosch-Lebensraum deutlich verkleinert.“

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Wochenblatt-Redaktion
Stichwort „Grasfrosch“
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Betreff: Grasfrosch
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