Marmstorfer Treppenwitz

Mit dem Auto kommt Ernst Schiusdziara nicht durch, bezahlen soll er trotzdem. Foto: mag

Rentner soll für Straßenausbau zahlen, obwohl die Straße
gar nicht bis zu seinem Grundstück reicht

Von Andreas Göhring. HARBURG.

Bisher ist Ernst Schiusdziara ganz gut durchs Leben gekommen. Der Rentner ist Ende 80, in den Knochen ziept es hier und da, aber er ist noch erstaunlich mobil. Außerdem lebt er mit seiner Frau in einem Häuschen in geradezu paradiesisch ruhiger Lage. Alles gut? Nein, denn Schiusdziara hat Post vom Bezirksamt bekommen. Da wird ihm mitgeteilt, dass die Straße Fernblick „endgültig ausgebaut“ werden soll, und dass er als Anwohner dafür ordentlich zur Kasse gebeten werden soll. Die genaue Summe stehe noch nicht fest, aber erfahrungsgemäß kann das ein hoher vierstelliger Betrag werden – oder noch mehr.
„Das wäre ja in Ordnung“, sagt Schiusdziara. „Aber ich kann die Straße doch gar nicht nutzen, jedenfalls nicht mit dem Auto. Das sei nämlich eine
Sackgasse und die ende weit vor seinem Grundstück. Den Rest müsse man zu Fuß über mehrere Treppen zurücklegen. Wenn er wirklich mit dem Auto zu seinem Grundstück wolle, müsse er über die Straße Moorlage fahren. Schiusdziara: „Wieso soll ich dann für den Ausbau des Fernblicks zahlen? Den nutze ich doch gar nicht.“
Der Marmstorfer hat versucht, seine Beschwerde im Bezirksamt vorzubringen. Da sei er aber abgeblitzt, Details will er nicht nennen.Tatsächlich ist für die Abrechnung des Straßenausbaus nicht das Bezirksamt, sondern die Finanzbehörde zuständig. Und die hält die Rechtslage für eindeutig. Bei der Erklärung kommt es auf jedes Wort an. „Wird über eine Straße die Bebaubarkeit eines Grundstücks vermittelt, so sind nach dem Hamburgischen Wegegesetz Erschließungsbeiträge zu zahlen“, sagt Behördensprecher Christopher Harms. Auch der Fernblick sei eine Straße, die den anliegenden Grundstücken – also auch dem von Herrn Schiusdziara – eine Bebauung ermöglicht. Sie bestehe aus einem befahrbaren und einem unbefahrbaren Teil, beide Teile zusammen ermöglichten auch den Anliegern an dem unbefahrbaren Teil, nämlich der Treppe, die Bebaubarkeit.
Schiusdziara will sich damit nicht abfinden. Er habe außerdem schon vor 20 Jahren dafür bezahlt, dass er von der Moorlage rund 20 Meter über einen breiten Fußweg zu seinem Haus fahren darf.
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