„Man nimmt uns nicht ernst“

Spontandemo in der Wetternstraße. Die Botschaft der Siedler an Politik und Verwaltung: Haltet endlich Wort, nehmt uns ernst! Foto: pr

Wetternstraße: Anwohner aufgebracht über gebrochene Zusagen

Von Bernhard Bruno.
Die Anwohner der Unterkunft Wetternstraße fühlen sich immer mehr verschaukelt. „Die Politiker reden zwar mit uns, dem folgen aber keine Taten“, sagt Hannelore Gebhardt von der „Bürgerinitiative Wetternstraße, Wetternstieg, Zehntland und Flutende“. Von Anfang an hatten sich die Siedler vorgenommen, mit ihren Nachbarn in der Unterkunft friedlich zusammenzuleben.
Das war nicht immer einfach. 150 alleinstehende Männer: Flüchtlinge, Obdachlose und entlassene Strafgefangene, die auf dem freien Wohnungsmarkt kaum Chancen haben. Da gibt es schon mal Reibereien. Deshalb ist ein Runder Tisch eingerichtet worden, dort sind Landesbetrieb Fördern & Wohnen als Betreiber der Unterkunft, Bezirksamt, Bezirkspolitik, Polizei und Nachbarn vertreten. „Eigentlich waren das ganz gute Gespräche“, sagt Hannelore Gebhardt. „Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass man uns nicht ernst nimmt.“
So lasse sich der Wachdienst, der in der Unterkunft und drum herum für Ordnung sorgen soll, kaum noch blicken. Weitere Vorwürfe: Gegen die „Fremdschläfer“ werde auch kaum etwas unternommen. Sie könnten ungestört ihren Drogengeschäften nachgehen.
Der „Hammer“ sei aber das gebrochene Versprechen, die Unterkunft umzubauen. Die alten Gebäude sollten durch neuere ersetzt werden und statt der Männer sollten Familien einziehen. Gebhardt: „‘Fördern & Wohnen’ hat den Bauantrag in aller Stille zurückgezogen.“
Und nun soll in nicht einmal 300 Meter Entfernung die neue Zentrale Erstaufnahmestation für Flüchtlinge eingerichtet werden. „Wir nehmen die Flüchtlinge gerne auf“, sagt Gebhardt. „Sie brauchen unsere Hilfe.“ Sie fragt sich aber, warum im Bezirk Wandsbek die Bürger vorher zu Informationsveranstaltungen eingeladen werden. In Harburg habe es nur einen Anruf des Bezirksamtsleiters gegeben...


Aus dem ehemaligen Postamt am Neuländer Platz wird eine Flüchtlingsunterkunft. 230 Plätze für die Erstunterbringung möchte die Innenbehörde hier einrichten. Nicht als Übergangslösung, sondern als dritten Eckpfeiler der Hamburger Erstaufnahme. Das leer stehende Postamt soll für mindestens fünf Jahre angemietet werden.
„Wir müssen etwas für die Flüchtlinge tun und wollen Harburg gar nicht ausnehmen“, kommentiert die Bürgerschaftsabgeordnete Birgit Stöver (CDU). „Aber Harburg Kern hat einen schlechten Sozialindex und außerdem auch eine schlechte Prognose. Diesem Stadtteil muss geholfen werden.“
Jürgen Heimath (SPD): „Alle Beteiligten haben damals den Bürgern vor Ort versichert, dass es in der Zukunft in diesem Umfeld keinen Ausbau und auch keine weitere neue Einrichtung geben soll. Dieses Versprechen kann man nicht halten.“
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