„Mal sehen, wie lange meine Kraft reicht“

Stellwerk-Chef Karsten Schölermann: „Am Stellwerk-Programm wird sich im Vergleich zum Vorjahr nicht viel ändern.“ Foto: D. Kruse

Interview mit dem neuen Stellwerk-Chef Karsten Schölermann

Seit Jahresbeginn hat Karsten Schölermann das Sagen im Harburger Musikclub Stellwerk im Harburger Fernbahnhof. Zusammen mit Nandor Olah kämpft Schölermann, gleichzeitig Geschäftsführer des Knust auf St. Pauli, für den Erhalt des ehemaligen Harburger Jazzclubs. In vielen Gesprächsrunden konnten bei Nachbarschaftsproblemen (Lärm) Kompromisse gefunden werden. Nach wie vor fehlt Geld. Von der Kulturbehörde gibt’s nichts. Hat das Stellwerk eine Zukunft? Das Wochenblatt sprach mit Karsten Schölermann.

Warum übernehmen Sie ausgerechnet eine Location, die wegen diverser Schwierigkeiten heftig um ihre Existenz kämpfen muss?
Es geht um den Schutz von Kulturräumen - und nicht um „Geld" oder „Wirtschaftsräume". Ich habe bereits vor drei Jahren - als Herr Langanke "nicht mehr mochte" - die Initiative ergriffen. Auch wenn ich ungerne in der ersten Reihe stehe - das lässt sich im Falle des Stellwerks leider nicht mehr vermeiden. Die monetären Hilfestellungen, die erforderlich wären, um diesen nicht nur für Harburg unersetzlichen Kulturraum zu bewahren, sind jungen neuen Clubbetreibern nicht (mehr) zumutbar. Mich wird es weit weniger schädigen, wenn ich nun mal für eine Weile probiere (selbstverständlich unentgeltlich) diesen Raum zu bewahren. Mal sehen, wie lange meine Kraft reicht - alle guten Dinge sind drei ???

Lassen sich die „Nachbarschaftsprobleme", insbesondere der Lärm-Konflikt mit der Bahnpolizei, lösen? Wie?
Ich betrachte das „Problem" der lärmintensiven Nutzungen durch die Nutzungserlaubnis der rückwärtigen Gepäckbrücke incl. baurechtlicher Genehmigung (!) als sehr weitgehendes Zugeständnis der Bahn und des Bezirksamtes. Da diesem Kompromiss - im Beisein der Kultursenatorin - auch die Bundespolizei zugestimmt hat, empfinde ich das als großen Erfolg. Ob sich dieser Kompromiss auch wirtschaftlich darstellen lässt ,müssen wir nun herausfinden.
Zweifelsfrei hat das Stellwerk noch nie eine so weitgehende Bestandszusage durch Bahn und Bezirk bekommen. Ich bin also optimistisch.

Wie viel Geld wird für den „Neustart" benötigt? Bis wann?
Nach den mir derzeit vorliegenden Zahlen werden wir etwa 20.000 Euro benötigen, um die dringensten Investitionen (Ton- und Lichttechnik) vornehmen zu können. Dafür möchten wir eine Crowdfunding-Aktion starten. Darüber hinaus erwarte ich, bestenfalls eine „schwarze Null" - bei kostenfreiem Arbeiten der wirtschaftlich verantwortlichen beiden verbliebenen Gesellschafter Nandor Olah und mir. Das ist natürlich keine dauerhafte Perspektive, weshalb entweder die Zahl der ertragskräftigen Vermietungen steigen muss - oder die Konzertveranstaltungen sich als deckungsfähiger erweisen müssen.Direkte Unterstützung des Bezirkes zur Abmilderung dieser Art von "Selbstausbeutung" wird bislang politisch kaum diskutiert - und natürlich bislang auch nicht gewährt. Das wäre m.E. aber ein notwendiges, zielführendes, angemessenes und effizientes Merkmal einer modernen bezirklichen Kulturpolitik. Auf meine Bitte (an Bezirk und Kulturbehörde) um 20.000 Euro Zuwendung pro Jahr - limitiert auf drei Jahre - habe ich allerdings eine ablehnende Antwort erhalten.

Gibt's finanzielle Unterstützung vom Bezirk, der Kulturbehörde oder der DB?
Die DB unterstützt den Kulturraum durch eine sehr günstige Miete. Das muss - bei allen kontroversen Auseinandersetzungen - auch einmal gesagt werden. Ohne die günstige Miete der Bahn gäbe es das Stellwerk überhaupt nicht.
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