Macht Nachmittagsunterricht Kinder- und Jugendzentren überflüssig?

Harburger Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit bangen um ihre Zukunft. Die Mittel sollen ab 2013 um 10 Prozent gekürzt werden. Foto:ast

Ausgaben für Offene Kinder- und Jugendarbeit sollen um zehn Prozent gekürzt werden - kleinen Einrichtungen droht das Aus

Große Plakate hängen derzeit in den Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit im Bezirk Harburg. „Finger weg! Spart den Mopsberg nicht kaputt!“, liest man auch an der Fassade der Einrichtung im Phoenix-Viertel.
Der Mopsberg ist nur eine von vielen Einrichtungen, die um ihre Zukunft bangen, denn ihnen sollen ab 2013 die Gelder um zehn Prozent gekürzt werden. Die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) hat zwar einen ständig steigenden Etat zur Verfügung, will jedoch die Ausgaben in diesem Bereich von 33,6 auf 30,1 Millionen Euro kürzen.
„Dabei sind wir schon am Limit“, sagt Catherine Bartl vom Jugendcafé Neuwiedenthal. 110.000 Euro stehen dem Träger, dem Förderverein Neuwiedenthal, jährlich zur Verfügung: „Telefon, Betriebskosten, Personal, auch die Honorarkräfte müssen davon bezahlt werden.“ Ohne eine jährliche Spende könne man zum Beispiel die Sonntagsöffnung schon gar nicht mehr anbieten. Mit interessanten Angeboten versuchen die Einrichtungen im Bezirk ihre Klientel zu erreichen: Vom Fahrrad-Workshop über Hip-Hop-Kurse, Schul- und Berufsberatung bis hin zur mobilen Suchtberatung und der Freizeitgestaltung - die Kids haben meist einen guten Draht zu den Sozialpädagogen und Erziehern.
„Wir sind oft die einzigen zuverlässigen Erwachsenen, wir sind Familienersatz und merken schon ganz früh, wenn irgendetwas schief läuft“, sagt Catherine Bartl. Sie ist übrigens die einzige von ihren Kollegen, die sich zur Zeit öffentlich äußern möchte. Die anderen fürchten mittlerweile Probleme, denn: „Wir sind immer diejenigen, die den Mund aufgemacht haben. Die Kollegen der kommunalen Träger sagen schon lange nichts mehr.“
Rund 340.000 Euro werden im Bezirk Harburg zukünftig fehlen. Für Einrichtungen, die mit einer, höchstens zwei festen Stellen arbeiten, wird es dann eng. „In anderen Bezirken gibt es schon Streichlisten.“

Weitere Infos:
Die BASFI begründet die Kürzungen in der offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) damit, dass die ganztägigen Angebote an Schulen sowie die Kindertagesbetreuung parallel dazu weiter ausgebaut werden, ein nachmittägliches Angebot also gar nicht mehr erforderlich sei.
„Die offene Kinderarbeit wird es zukünftig schwer haben, ihre Notwendigkeit zu behaupten,“ so Harburgs Sozialdezernent Holger Stuhlmann. „Und die offene Jugendarbeit muss ihr Profil fortentwickeln.“ So zum Beispiel durch Abend- und Wochenendangebote. Man müsse allerdings auch prüfen, ob einzelne Projekte der OKJA nicht aus anderen Töpfen finanziert werden könnten.
Der Umstellungsprozess werde sich bis zum Schuljahr 2013/14 hinziehen, so Stuhlmann. „Dafür muss die BASFI entsprechende Haushaltsmittel zur Verfügung stellen.“
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1 Kommentar
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Manfred Hagel aus Harburg | 21.05.2012 | 19:47  
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