Lob statt Strafe

Die beiden Lehrerinnen Sabrina Schmitt (li.) und Steffi Schuran vor dem Bällebarometer in der Stadtteilschule Lessing. Foto: sl
Wer die Pausenhalle der Lessing Stadtteilschule in Sinstorf betritt, dem fallen schnell vier Plexiglas-Röhren voll mit bunten Bällen ins Auge. Jedem Harry-Potter-Leser ist klar, was die roten, grünen, blauen und gelben Bälle bedeuten: Sie zeigen Punkte für die vier Schulmannschaften an. Vergeben werden diese Punkte seit März für gutes Benehmen.

Für Schüler, die sich schlecht benehmen habe man immer Zeit, sagt Steffi Schuran, Lehrerin an der Lessing Stadtteilschule. „Auf diese Weise kommen die netten Schüler immer zu kurz. Wir sind davon überzeugt, dass es langfristig mehr bringt, lieber gutes Benehmen zu belohnen als schlechtes zu bestrafen“.

Also haben die Lehrer kurzerhand alle rund 400 Schüler von der fünften bis zur achten Klasse in vier verschiedene Farben eingeteilt. Jeder Schüler hat einen Ausweis mit „seiner“ Farbe und seinem Namen bekommen. Seitdem können die Kinder Belohnungs-Punkte sammeln. Bewertet werden Freundlichkeiten nach fünf verschiedenen Kriterien. Dazugehört Müll sammeln und wegbringen ebenso, wie schwächeren Schülern eine Aufgabe erklären, den Unterricht durch eine gute Idee voranbringen, Streitereien auf dem Pausenhof schlichten oder einfach respektvoll und höflich miteinander umgehen.

Alle Lehrer führen Listen, in denen die erzielten Punkte eingetragen werden. Am Ende jeder Woche werden die Punkte in Bälle umgerechnet und in die entsprechend Röhren in der Pausenhalle gefüllt. Daraus ergibt sich jede Woche ein Wochensieger-Team. Von Ferien zu Ferien soll auf diese Weise dann ein Zeitraum-Sieger-Team ermittelt werden. Für diese Sieger soll es dann auch Preise geben. Was genau das sein wird, überlegen die Lehrer noch.

Das Resultat dieses Bällebarometers ist allerdings jetzt schon verblüffend. „Eigentlich ist nett sein ja für viele Schüler sehr uncool“, erläutert Lehrerin Sabrina Schmitt. „Aber mit diesen Bällen bauen wir eine Brücke, weil nettes Verhalten plötzlich nicht mehr uncool ist, sondern dazu verhilft, vielleicht den Sieg zu erringen.“ Und das wollen alle Schüler. „Ich habe die Tasche der Lehrerin getragen und einmal auch einem Mitschüler einen Zirkel geliehen“, berichtet der 14-jährige Muhammed. „Cool, wenn man für sowas einen Punkt bekommt.“
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.