Kultur aus dem Supermarkt

Vu Anh Tien überprüft den Warenbestand. Der Markt mit asiatischen Lebensmitteln boomt. Foto: tsilis

Maschinenbauingenieur Vu Anh Tien ist Spezialist für asiatische Produkte

Von Andreas Tsilis.
Es gibt viele Wege, sich anderen Kulturen zu nähern. Man kann Bücher lesen, Essen gehen, reisen und Festivals besuchen. Oder man geht zu Herrn Vu. Herr Vu, eigentlich Vu Anh Tien, ist Geschäftsführer des Dong Tiens Supermarkts in der Wilstorfer Straße.
Der Laden führt hauptsächlich asiatische Spezialitäten zu denen Chef und Mitarbeiter eine Kulturgeschichte frei Haus mitliefern. So erfährt man, dass Südamerikaner Baumfrüchte wie Goldpflaume, Tamarinde oder Mangostan mögen, Afrikaner mit Reis mehr Getreide als Chinesen zu sich nehmen und Deutsche mittlerweile gesünder essen. Verallgemeinern lässt sich das nicht, aber der Trend scheint deutlich: In Harburg boomt der Handel mit asiatischen Lebensmitteln.
Bis vor zehn Jahren war das noch anders. Damals gab es nur zwei Fachgeschäfte, eines davon gehörte Vu Anh Tien. „Am Schloßmühlendamm haben wir angefangen, drei Mitarbeiter auf 60 Quadratmeter.“ Heute beschäftigt er sieben Mitarbeiter, hat die Verkaufsfläche verdrei-facht und einen Imbiss eingerichtet.
Fast Food anzubieten, darauf hatten ihn Kunden gebracht. Viele kamen vom Urlaub aus Thailand, Vietnam oder China und fragten, wie man dieses oder jenes kocht, sagt Anh Tien. „Aus dem gelegentlichen Kochen vor dem Gast hat sich dann der Imbiss entwickelt.“ Die Umsätze mit Hühnchen in Süß-Sauer, Nudeln, gebratenem Reis und Suppen bleiben mit zehn Prozent am Gesamtumsatz überschaubar.


Dong Tien
Der Dong Tien Supermarkt in der Wilstorfer Straße besteht
seit 2004. Es gibt sieben Mitarbeiter. Auf 200 Quadratmetern werden rund 4.000 verschiedene, internationale Spezialiäten angeboten. Die Kunden sind regional ansässige Gastronomen, aber auch Private aller Herren Länder.
Für Anh Tien, dem diplomierten Maschinenbauingenieur, ist der Imbissbetrieb eher ein kleines Rad, das den Verkauf im Supermarkt beflügeln soll. Im Wettbewerb mit den großen Imbiss-Ketten zu bestehen, wäre ohnehin schwierig, erklärt er. „Original asiatische Küche, die wir anbieten, wird nicht so nachgefragt, auch viele Restaurants mussten schließen.“
Beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband aus Berlin (DEHOGA) lässt man das so pauschal nicht gelten. Imbisse würden nicht gezählt, bei den Hamburger Restaurantbetrieben falle derzeit nur die Abwanderung von Japanern nach Düsseldorf auf. Fakt sei aber, so heißt es weiter, „dass die echte Asia-Küche mit frischen, fettfreien Zutaten und kurzen Garzeiten den Nerv der Zeit“ treffe. In einem schmalen Schrein des Dong Tien Supermarkts sitzt „Cong“, der Hausherr, und
lächelt. Cong, eine rund zwanzig Zentimeter große, buddhaähnliche Figur soll Glück bringen, sagt Anh Tien. Und das ist eine zeitlos gültige Zutat.
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