„König Olaf“ bleibt am Steuer

Als die erste Prognose über den Bildschirm flimmerte, herrschte im Landhaus Jägerhof bei Harburgs CDU-Prominenz blankes Entsetzen. Foto: mag

Bürgerschaftswahl: SPD klar stärkste Partei - CDU so schwach wie nie - Harburg ist AfD-Hochburg

Bürgermeister Olaf Scholz hat einen eindrucksvollen Wahlsieg eingefahren. Seine SPD erreichte 45,7 Prozent der Stimmen. Die CDU schaffte gerade einmal 15,9 Prozent, so wenig wie nie zuvor in Hamburg. Beim Regieren wird „König Olaf“ in den nächsten fünf Jahren allerdings auf Unterstützung angewiesen sein. Die SPD strebt eine rot-grüne Koalition an. Harburg ist in der Bürgerschaft künftig mit zehn Abgeordneten vertreten: Sören Schumacher, Birte Gutzki-Heitmann, Birgitta Schulz, Matthias Czech, Melanie Leonhard, Doris Müller (alle SPD), André Trepoll, Birgit Stöver (beide CDU), Kurt Duwe (FDP) und Sabine Boeddinghaus (Linke).
Was bedeutet das Wahlergebnis für Harburg? „Erst mal gar nichts“, urteilt SPD-Fraktionschef Jürgen Heimath. Dagegen befürchtet CDU-Kreis-chef Ralf-Dieter Fischer Ärger aus Hamburg für die Harburger SPD-CDU-Koalition: „Vermutlich müssen wir demnächst Sperrfeuer der grünen Senatoren aushalten.“ Kommentar Heimath: „Für solche Überlegungen gibt es keinen Grund, keinen Hinweis, keinen Anlass.“

CDU hatte nirgendwo die Meinungsführerschaft

Was lief denn alles im CDU-Wahlkampf falsch? „Es war ein schwerer taktischer Fehler, dass Wersich einen persönlichen Wahlkampf gegen Scholz gemacht hat“, so Harburgs Kreisvorsitzender Fischer, „außerdem hatten wir in keinem politischen Bereich die Meinungsführerschaft. Deswegen hat mich das Ergebnis nicht überrascht.“
Abgenommen hat aber nicht nur die Zahl der CDU-Wähler. Insgesamt sind so wenig Hamburger an die Wahlurnen gegangen wie nie zuvor: 56,5 Prozent. Vor vier Jahren waren es 57,3 Prozent gewesen. In einigen Wahllokalen, etwa am Ohrnsweg oder an der Buxtehuder Straße, gab gerade einmal jeder Fünfte seine Stimme ab.
Wenig überraschend: In keinem Bezirk hat die AfD mehr Stimmen bekommen als in Harburg. Im Wahllokal Großmoordamm erreichte die AfD 25,2 Prozent! Ob bei der Wahlentscheidung die Ballung der Flüchtlingsunterkünfte in diesem Bereich eine Rolle gespielt hat? „Das mag sein“, so SPD-Mann Heimath, „die Konzentration von Einrichtungen auf diesem kleinen Gebiet ist auch äußerst unvernünftig.“ Ulf Bischoff (AfD-Bezirksleiter Harburg) kennt einen weiteren Grund: „Das ständige Nichteinhalten von Zusagen gegenüber Anwohnern.“

Zahlen zur Wahl
Ergebnis Hamburg
SPD: 45,7
CDU: 15,9
Linke: 8,5
FDP: 7,4
Grüne: 12,3
AfD: 6,1

Wahlkreis 2 Billstedt/Wilhelmsburg/Finkenwerder
(Landesliste), Wahlbet.: 42,2
SPD: 51,3
CDU: 13,2
Linke: 10,1
FDP: 4,2
Grüne: 8,1
AfD: 7,9

Wahlkreis 16 Harburg
(Landesliste), Wahlbet.: 49,5
SPD: 46,8
CDU: 15,7
Linke: 8,5
FDP: 5,5
Grüne: 9,6
AfD: 8,7

Wahlkreis 17 Süderelbe
(Landesliste)
Wahlbeteiligung: 51,2
SPD: 47,7
CDU: 18,8
Linke: 6,6
FDP: 7,0
Grüne: 7,8
AfD: 8,7

Ausgewählte
Wahllokale

Großmoordamm:
(Wahlbeteiligung: 41,0)
SPD: 39,3
CDU: 4,1
Linke: 11,4
FDP: 14,5
Grüne: 3,8
AfD: 25,2

Buxtehuder Straße
(Wahlbeteiligung 20,1)
SPD: 37,4
CDU: 8,4
Linke: 14,7
FDP: 6,3
Grüne: 13,5
AfD: 11,6

Am Frankenberg
(Wahlbeteiligung; 45,6)
SPD: 64,8
CDU: 18,8
Linke: 2,2
FDP: 5,5
Grüne: 0,8
AfD: 6,9

Stubbenhof
(Wahlbeteiligung: 39,9)
SPD: 49,9
CDU: 16,9
Linke: 7,4
FDP: 4,6
Grüne: 7,7
AfD: 9,1

Ohrnsweg (71510)
(Wahlbeteiligung: 21,0
SPD: 46,3
CDU:23,4
Linke: 10,3
FDP: 0,7
Grüne: 4,0
AfD: 10,3

Neuenfelder Straße
(Wahlbeteiligung: 36,9)
SPD: 52,5
CDU: 11,9
Linke: 6,8
FDP:3,5
Grüne: 11,0
AfD: 10,4

Karl-Arnold-Ring (13617)
Wahlbeteiligung: 27,0)
SPD: 57,7
CDU: 7,9
Linke: 12,9
FDP: 3,0
Grüne: 7,1
AfD: 9,9

Norderschulweg
(Wahlbeteiligung: 37,4)
SPD: 63,2
CDU: 9,7
Linke: 7,4
FDP: 4,0
Grüne: 8,5
AfD: 4,2
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