Kirchen in Not: Kein Geld für Unterhalt der alten Gebäude

Harburgs Kirchen sind in Geldnot. Foto: sl

In vielen Gemeinden müssen Gemeindehäuser verkauft werden

Viele evangelische Kirchengemeinden schauen in diesen Tagen sorgenvoll in die Zukunft. Denn jetzt müssen sie sich selbst um den Unterhalt ihrer Gemeindehäuser und Kirchen kümmern. In den oft sehr alten Bauten verursacht bereits das Heizen enorme Kosten. Kein Wunder, dass in Kirchenvorständen eifrig nach zusätzlichen Einnahmequellen geforscht wird.
Die Eißendorfer Luthergemeinde möchte die Grundstücke verkaufen, auf denen jetzt noch die beiden Gemeindehäuser stehen. „Ein Teil wird verkauft, ein Teil geht über Erbpacht“, erklärt Pastor Andree Manhold. Geplant sind hier drei Mehrgenerationen-Häuser mit 20 bis 25 Wohnungen. An zwei Häusern hat der Margaretenhort schon Interesse angemeldet.
Von dem Erlös der Grundstücksverkäufe will die Kirchengemeinde rund 300.000 Euro in die Sanierung der gut einhundert Jahre alten Kirche stecken. „200.000 Euro wird der Umbau des jetzigen Pfarrhauses in ein Gemeindehaus kosten“, so Pastor Manhold weiter.
Die Heimfelder Paulusgemeinde hat ihr Gemeindehaus für zehn Jahre an einen Pflegedienst vermietet, der hier eine Tagespflegestätte einrichten will. Nur das Gemeindebüro bleibt, der Rest der Aktivitäten zieht um in die benachbarte St. Petrusgemeinde.
Bei St. Trinitatis belastet die kaum genutzte alte Dreifaltigkeitskirche in der Neuen Straße das Budget. Die Sinstorfer Kirchengemeinde hat gerade das Gemeindehaus am Blättnerring ans DRK verkauft. Hier soll ein Hospiz entstehen.
In der Rönneburger Bugenhagengemeinde setzt man schon seit Jahren auf die Hilfe der Gemeindeglieder. „Wir sind aktuell dabei, das Dach unserer Kirche neu zu decken“, sagt Pastor Wolfgang Hohensee. „Einen Großteil haben die Gemeindeglieder mit Spenden zusammen gebracht. Aber langfristig muss man sehen, ob überhaupt so viele Gemeinden überleben können.“
St. Trinitatis-Pastor Thomas Brandes sieht darin eine ganz normale Entwicklung. „Als die Kirchen in den 50er und 60er Jahren viel Geld hatten, haben sie gebaut, was das Zeug hält. Am liebsten hätte man für jeden in fußläufiger Entfernung eine Kirche hingestellt. Das, was wir jetzt erleben, ist keine Katastrophe, sondern mehr eine Rückkehr zur Normalität.“

Hintergrund:
Die Kosten für den Unterhalt der Kirchen und der dazugehörigen Gebäude wurde in der Vergangenheit gedrittelt. Ein Drittel mussten die Gemeinden selbst übernehmen, ein Drittel kam aus der Kasse des Kirchenkreises und ein weiteres Drittel übernahm die Landeskirche. Sinkende Einnahmen haben jetzt zu dieser neuen Regelung geführt. SL
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