"Keiner konnte mir helfen"

René Hayer will endlich Fuß fassen und sucht eine Wohnung. Foto: mag

Die verzweifelte Suche von René Hayer nach einer betreuten Wohnung

Von Marion Göhring. René Hayer geht es nicht gut. Er fühlt sich allein gelassen, er fühlt sich nicht ernst genommen. Dabei sucht der 25 Jahre alte Harburger nur eine Wohnung. „Am besten wäre eine Wohnung, in der ich betreut werde“, sagt er und sogleich sprudelt es aus ihm heraus, warum er sein Leben womöglich allein nicht in den Griff bekommt: „Ich habe eine Psychose, ich bin Borderliner.“ Dabei zieht er sein rechtes Hosenbein hoch, zum Vorschein kommt ein Unterschenkel, der mit Narben, Dellen und Beulen übersäht ist.
Was ist passiert? Hayer könnte vermutlich einen ganzen Roman erzählen. Der erste Satz klingt wie der Beginn der Rechtfertigung eines Angeklagten, ist aber vermutlich nur der Beginn einer unendlich traurigen Geschichte: „Ich hatte eine schwere Kindheit.“ Seine Eltern seien Alkoholiker gewesen, daraufhin habe das Jugendamt ihn in ein Heim gesteckt. Das Leiden nahm seinen Lauf: Er wurde offenbar misshandelt, gepiesackt und immer wieder gab man ihm zu verstehen, dass er nicht viel wert sei.
Kein Wunder, dass er krank wurde, nicht nur am Körper, auch die Seele nahm schaden. Unter anderem stellten die Psychologen fest: „René ist Borderliner.“ Sozusagen ein Grenzgänger, dessen Stimmung immer wieder von einem Extrem ins andere fällt, zu Beziehungen nur schwer in der Lage, immer auf der Suche nach einem Halt, immer wieder vergeblich.
Und dann „Afrika“! 2002 wurde er in die berüchtigte Buschschule Namibia geschickt, zur Besserung. Für René Hayer muss es ein Märtyrium gewesen sein: „Das waren Rassisten, die haben mich regelrecht gequält, dreimal bin ich nur knapp dem Tod von der Schippe gesprungen.“
Im Gespräch wirkt der junge Mann ruhig, besonnen, freundlich. Und von einem Moment auf den anderen ist er nur noch verzweifelt: „Ich bin hier im Bezirksamt bei den verschiedensten Stellen gewesen, keiner konnte mir helfen.“ Drüben im Sozialamt habe man ihm sogar gesagt: „Uns ist es egal, wo Sie schlafen.“
Aber René Hayer will nicht irgendwo schlafen, er will Hilfe und endlich Fuß fassen. Seine Hilferufe hat bisher keiner gehört.
Das Bezirksamt nimmt zu dem Einzelfall nicht öffentlich Stellung. Sprecherin Petra Schulz teilt nur mit, dass auch in diesem speziellen Fall das Fachamt Grundsicherung und Soziales (GS) zuständig sei.
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