Kein Geld vom Jobcenter

Stefan S. muss Berge von Akten wälzen, um in Harburg Hartz IV zu bekommen. Foto: sl

Für Stefan S. brachte der Umzug von Lüneburg nach Harburg viele Probleme mit sich

SABINE LANGNER, HARBURG
Stefan S. (Name der Redaktion bekannt) ist genervt, verzweifelt und pleite. Der 43-jährige versucht seit ein paar Jahren, sich als Shiatsu-Therapeut selbstständig zu machen. Da das allein noch nicht zu Leben reicht, bekommt er aufstockende Leistungen vom Jobcenter team.arbeit Hamburg. Theoretisch. Denn praktisch hat er noch nicht einen Cent gesehen, obwohl das Sozialgericht entschieden hat, ihm zumindest vorläufig Geld zu bewilligen.

Erst seit zwei Monaten wohnt Stefan S. in Harburg. Er ist hier in eine kleine Wohnung gezogen, nachdem seine alte Wohnung in der Nähe von Lüneburg verkauft wurde und er dort ausziehen musste. „In Lüneburg habe ich Hartz IV bekommen“, sagt er. „Da hatte ich auch noch eine Bewilligung bis Ende November. Weil die Mitarbeiter des Jobcenters in Lüneburg ja schon einmal alles geprüft hatten, dachte ich, hier in Hamburg würde der alte Bescheid einfach nur auf ein anderes Bundesland umgeschrieben werden.“ Falsch gedacht. Mitte September ging Stefan S. zu einem Mitarbeiter von team.arbeit Hamburg. Der gab ihm einen Termin für den 9. Oktober. Stefan S. legte die kompletten Unterlagen auf den Tisch und hörte erst mal 14 Tage gar nichts mehr. „Als die sich endlich gemeldet haben, sollte ich noch mehr Unterlage vorlegen“, beklagt er sich.

Als er Ende Oktober immer noch kein Geld hatte, ging er zum Sozialgericht. Anfang November kam der Bescheid, die Leistungen vorläufig zu bewilligen. Aber die Harburger wollen nicht zahlen. Stattdessen wollen sie von dem Neu-Harburger ein Konzept, welche Einnahmen er zukünftig aus seiner Tätigkeit als Shiatsu-Therapeut erzielen will. „Ich habe mir Geld von meiner Mutter geliehen, damit ich wenigstens die Miete zahlen kann“, sagt Stefan S. „Ohne sie könnte ich auch unter einer Brücke wohnen. Wie kann das sein, dass ein anderes Bundesland noch mal von vorn anfängt, mich auf Herz und Nieren zu prüfen?“

Das, so Heike Böttger, Pressesprecherin des Hamburger Jobcenters, sei völlig normal. „Wenn jemand umzieht, dann ändern sich ja möglicherweise auch die Lebensumstände.“ Es sei eine bundesweite Regelung, dass das jeweils zuständige Jobcenter die Bedingungen für eine Leistungsgewährung prüfe.
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