"Jopi Heesters würde ich gern noch einholen"

Lotte Pertold feierte ihren 105. Geburtstag mit einem Teil ihrer großen Familie: Urenkel Anton und Eric, Sohn Hans und die Enkelinnen Tanja, Gaby und Andrea (v.li.).Foto: sl

Harburgerin Lotte Pertold feierte 105. Geburtstag

SABINE LANGNER, HARBURG
Als das kleine Mädchen am 24. Januar 1907 als neuntes von zehn Kindern auf die Welt kam, sagte die Hebamme zur erschöpften Mutter: „Dem Kind müssen sie gar keinen Namen geben. Die wird höchstens drei Tagte alt.“ Am Dienstag feierte Lotte Pertold nun ihren 105. Geburtstag. „Ich werde mir Mühe geben, den Jopi noch einzuholen“, sagt sie mit einem verschmitzten Lächeln.

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg zog die Familie von Berlin nach Harburg in die Nobleestraße. Lotte arbeitete nach der Schule erst in verschiedenen Haushalten, bis sie 1934 ihren Mann Walter auf einer Party traf. „Wir haben uns gesehen, uns die Hand gegeben und gern gehabt“, erinnert sich die alte Dame. Aus diesem Handschlag wurden 63 Jahre Ehe. Das junge Paar zog nach Neuland, in den heutigen Fuldastieg. Tochter Ingrid kam 1935 zur Welt, 1936 folgte Georg, und 1939 machte Sohn Hans die Familie komplett.

Während Walter als gelernter Sattler die Förderbänder bei Thörl in Schuss hielt, versorgte Lotte die Familie. Selber Gemüse und Obst anbauen und anschließend einkochen war bis ins hohe Alter eine Selbstverständlichkeit für sie. Davon konnten sie auch die vielen Schicksalsschläge nicht abhalten. Mit nur vier Jahren starb die kleine Tochter an einer Lungenentzündung. Zum Ende des Krieges traf eine Brandbombe das Einfamilienhaus in Neuland, und die Familie war gezwungen, zwei Jahre im Schuppen zu hausen. „Mein Vater ist mit mir und meinem Bruder durch das von Bomben zerstörte Harburg gelaufen“, erinnert sich Sohn Hans Pertold. „Wir haben mit einer Karre Trümmer gesammelt und Steine geklopft, um Baumaterial für unser Haus zu bekommen, das mein Vater wieder aufgebaut hat.“

Später hat die große Flut 1962 noch das Haus getroffen. „Das Wasser stand bis zur Fensterbank in der Küche“, erinnert sich die Familie. Das Geheimnis ihres hohen Alters sieht Lotte Pertold in mehreren Faktoren: „Ich hatte eine glückliche Ehe, habe nie geraucht und jeden Abend einen kleinen Wodka getrunken.“ Seit zehn Jahren wohnt die alte Dame in einem Appartement in der Seniorenresidenz am Frankenberg, gut versorgt von ihrer großen Familie. Acht Enkelkinder und 16 Urenkel feiern mit ihr zusammen.
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