Jeder soll Weihnachten feiern

Zum Abschluss gab’s ein Weihnachtspäckchen, überreicht von Manfred Pyhrr, Konstanze Koslowski, Wilfried Schaub und Antoinette Breuer (v.l.). Foto: mag

Katholische Gemeinde St. Franz-Joseph lud zum besinnlichen Adventskaffee - über 100 Gäste kamen

Von Marion Göhring.
Alle Jahre wieder...“ Als das erste Adventslied im Gemeindesaal der Katholischen Kirchengemeinde St. Franz Joseph am Museumsplatz erklingt und die rund 100 Gäste aus vollem Hals mitsingen, mitsummen oder auch nur die Lippen bewegen, legt eine Frau mittleren Alters das kleine rote Textheft zur Seite und sagt mit erkennbar osteuropäischem Akzent: „Das brauchen wir nicht. Den Text kennt doch jeder.“
Und tatsächlich: Auch bei den folgenden Liedern wie „O Tannenbaum“ oder „Ihr Kinderlein kommet“ blickt kaum einer in das Heftchen. Die gemeinsame Kultur verbindet die Obdachlosen, Hartz-4-Empfänger und Rentner an diesem Nachmittag im großen Saal. Pfarrsekretärin Bernadette Baron-Stübe und ihr Helferteam hatten zu einem besinnlichen Adventskaffee eingeladen. Und alle Jahre wieder waren die Harburger der Einladung gefolgt, denen eine Tasse Kaffee, ein Früchtetee, ein Stück Kuchen oder ein paar Kekse noch etwas bedeuten.
Unter den Gästen war auch Wiebke Ebert, Mutter von sieben Kindern und Hartz-4-Empfängern. „Klar, das Geld reicht hinten und vorne nicht“, sagt sie. „Aber man muss sich eben arrangieren.“ Sie hatte eine Zeitlang in der Kantine eines großen Hamburger Unternehmens gearbeitet, dann aber den Job verloren. Wiebke Ebert hat aber nicht verlernt, wie man aus wenig viel machen kann. Sie zählt spontan ein paar Stellen in Harburg auf, wo es „gute Lebensmittel“ billig oder oft auch ganz umsonst gibt. Man müsse sich nur ein wenig umsehen. Zu den Stellen gehöre auch die Harburger Tafel, dort gehe sie in letzter Zeit aber nicht mehr so gerne hin, „weil sich da die Russen breit machen“.
Ihr Mann Klaus-Dieter sitzt mit am Tisch, schweigt eine ganze Weile, genießt Kaffee und Kuchen, sagt dann: „Eigentlich muss sich der Staat doch schämen, dass er es den Kirchen überlässt, Menschen in Not zu helfen.“ Dabei könne er auch ohne großen Aufwand einiges erreichen, zum Beispiel bei der Arge. Die habe doch vor allem mit weniger betuchten Leuten zu tun. Klaus-Dieter Ebert: „Warum gibt die Arge hier in Harburg nicht mal einen kleinen Leitfaden heraus, in dem alle Stellen verzeichnet sind, wo man uns hilft?
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