Jeder ist anders - doch alle sind gleich

Schüler der Schule Maretstraße haben in den Phoenix-Hallen ein grandioses Musikvideo zum Thema Vorurteile und Diskriminierung gedreht. Foto: Schönbrunner. (Foto: Marco Schönbrunner)
SABINE LANGNER, HARBURG
Wann fängt Diskriminierung an? Wenn ein Junge aus Togo als in Harburg „Nigger“ bezeichnet wird? Wenn ein türkisches Mädchen zu Hause sitzen muss, während die großen Brüder auf der Straße spielen dürfen? Wenn der Schüler mit Übergewicht ausgelacht wird? Wenn der Lehrer von fremden Menschen hört, er sei faul, weil er so viele Ferien hat? Für eine Schulklasse der Schule Maretstraße gehörten solche Dinge zum Alltag. Aber sie haben sich gewehrt. Herausgekommen ist dabei ein zorniger Rap-Song und ein grandioses Musikvideo.
„Jeder ist anders, doch alle sind gleich“, lautet der Titel des Videos, das auf Youtube zu sehen ist. Ein halbes Jahr lang haben sich die 17 Schüler der vierten, fünften und sechsten Klasse mit dem Thema beschäftigt. Die ursprüngliche Idee war ein Wettbewerb der Techniker Krankenkasse zusammen mit der Schulbehörde, ein Lied über das Thema Gesundheit zu entwickeln. „Dann hat ein farbiger Junge aus unserer Klasse gefragt, ob Diskriminierung auch dazu passt“, berichtet die elfjährige Jennifer.
Lehrer Marco Schönbrunner war begeistert. Zusammen entwickelten die Schüler, teilweise am Wochenende und in den Mittagspausen, den Text. Komponiert hat das Lied ein professioneller Musikproduzent. Dieser Produzent, Neil Quinton, hat auch die Filmaufnahmen übernommen. Gedreht wurde in den Phoenix-Hallen. „Das war toll“, schwärmen Schüler und Lehrer einhellig. „Wir durften in die Werkshallen, wo es so richtig schön schmutzig war“, strahlt Sevgi. „Diese Atmosphäre passt prima zu dem Song“, ergänzt Lehrer Marco Schönbrunner.
Dieses Video ist inzwischen so gut angekommen, dass die Klasse mit diesem Projekt jetzt an einem Wettbewerb des Bundesbildungsministeriums teilnimmt. Der einzige Wehmutstropfen für alle Beteiligten ist, dass die Klasse in dieser Zusammensetzung nicht mehr besteht. „Nach den Sommerferien haben fast alle Schüler auf weiterführende Schulen gewechselt“, berichtet der Lehrer. „Die Klasse war nach diesem Projekt ein so unglaublich gutes Team, aber die Früchte dieser Arbeit konnten wir hier leider nicht mehr ernten.“
Hängen geblieben ist trotzdem etwas. „Früher haben wir gelacht, wenn jemand anders war“, erzählen Sevgi, Jennifer und Malte. „Wenn jemand blöde Klamotten oder eine komische Frisur hatte. Heute gucken wir erst mal ob der nett ist. Dann ist es auch egal, wie er aussieht.“
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