Ist doch nur Geld

So sollte die Drehbrücke über den Lotsekanal ursprünglich aussehen - nach Gespräche mit Anliegern gab es Änderungen. So steht der Pfeiler jetzt nicht mehr mittig. Foto: Grassl/Winking Froh Architekten

Binnenhafen: Geplante Brücke über den Lotsekanal soll statt ursprünglich 1,5 Millionen Euro jetzt 3,65 Millionen kosten

Wenn Experten rechnen: Mitte 2011 sollte die geplante Drehbrücke vom Kanalplatz auf die Schloßinsel knapp 1,5 Millionen Euro kosten. Jetzt, gerade einmal zwölf Monate später, sind die Kosten auf 3,65 Millionen Euro explodiert. Begründung: gestiegene Materialpreise. Das kann sich der Bezirk nur leisten, wenn die Sanierung am Treidelweg auf 2015 verschoben wird. Das Problem: Am Treidelweg sollte Heiko Hornbachers Beach-Club, der das Gelände am Veritaskai verlassen muss, ein dauerhaftes Zuhause finden. Das geht jetzt nicht. „Für den Beach-Club müssen wir für zwei bis drei Jahre eine Übergangslösung im Binnenhafen finden“, sagt SPD-Stadtplanungsexperte Muammer Kazanci.
Hintergrund: Das neue Wohnquartier Harburger Schloßinsel soll bis zum Beginn der Internationalen Bauaustellung 2013 besser an die Harburger Innenstadt angebunden werden. Fußgänger könnten die Schloßinsel dann vom Kanalplatz aus bequem über eine Brücke erreichen.
Drei Ingenieurbüros hatten in einem Ideenwettbewerb ihre Entwürfe vorgestellt. Die Jury, in der kein Vertreter der Harburger Hafenwirtschaft saß, kürte den Drehbrücken-Entwurf der Hamburger Büros Grassl / Winking Froh zum Sieger. „Ein Glücksfall für die Brückenhauptstadt Hamburg“, hatte Oberbaudirektor Jörn Walter geschwärmt.
Doch schnell tauchten Probleme mit Anliegern auf. Nach zwei Gesprächsrunden zwischen Planern und Hafenwirtschaft wurde der Entwurf überarbeitet. „Der Brückenpfeiler steht nicht mittig und die Brücke gewährleistet jetzt die gleiche Durchfahrtsbreite wie die Lotsekanalklappbrücke und die Schleuse“, bestätigt Ingo Hadrych (HC Hagemann).
Aber sollte die Brücke angesichts der Kostenexplosion nicht neu geplant werden? „Nein“, sagt SPD-Mann Kazanci, „das wäre auch nicht billiger. Außerdem ist die Brücke etwas besonderes. Bei der IBA kann sich Harburg dann entsprechend präsentieren.“ Der Auftrag für den Bau der Drehbrücke wurde mit der SPD-Mehrheit beschlossen.


Kritik von Grünen und FDP
Ronald Preuß (Grüne) kritisiert: „Nahezu täglich wird uns von Seiten der SPD vorgebetet, wie desolat die Haushaltslage der Stadt sei... Wir haben darum gebeten, kostengünstigere Brückenvarianten zu prüfen und wenn notwendig, statt einer Drehbrücke eine andere technische Lösung zu realisieren.“
Ähnlich argumentiert Kurt Duwe (FDP): „Der Anstieg der Kosten um das Dreifache ist bereits ein Skandal an sich. Aber ich halte es für ein sehr gewagtes Vabanquespiel, darauf zu setzen, dass die Brücke bis zum Beginn der IBA überhaupt fertiggestellt wird. Besser wäre es gewesen, die Planungen noch einmal zu überprüfen und nach der IBA mit einem Bau zu beginnen. Jetzt steht fest, dass andere wichtige Infrastrukturinvestitionen im Binnenhafen verschoben werden müssen.“ OZ
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