In Wilhelmsburg die Freiheit gefunden

Am liebsten ist Marco Reyes Loredo mit seinem orangefarbenen Lastenfahrrad in Wilhelmsburg unterwegs. Foto: as

Marco Antonio Reyes Loredo mischt von der Elbinsel aus in der Hamburger Kulturszene mit

Von Anna Sosnowski.
Wilhelmsburg. Marco Antonio Reyes Loredo fährt selten im Bus der Linie 13, auch wenn sie ihn berühmt gemacht hat – und er sie. „Ich fahre lieber Fahrrad“, verrät der 34-jährige TV-Produzent. Für die Dreharbeiten zum Dokumentarfilm „Die Wilde 13“ saßen Loredo und seine Freundin Kerstin Schäfer im vergangenen Jahr dennoch unzählige Stunden in den Bussen, die die Elbinsel von Norden nach Süden durchqueren. Das Ergebnis: Ein beeindruck-endes Porträt des Stadtteils und seiner Bewohner, das 2013 auf dem Hamburger Filmfest Premiere feierte und zurzeit in einer Bühnenfassung im Thalia Theater in der Gaußstraße zu sehen ist.

„Krass, wie die sich
hier einsetzen“

Seit er 2007 von St. Pauli nach Wilhelmsburg gezogen ist, faszinieren Loredo der Stadtteil und seine Bewohner. „Die Protestkultur ist hier ganz anders. Den Grad der Organisiertheit, den ich hier erlebt habe, kannte ich nicht aus St. Pauli”, sagt er und erzählt von seiner ersten Einwohnerversammlung im Bürgerhaus. 800 Leute seien damals gekommen. Loredo war beeindruckt, wie gut informiert und konstruktiv sie waren. Und dass es ihnen immer wieder gelang, ungeliebte Pläne der Stadt abzuwenden. „Ich dachte ,krass, wie die sich hier einsetzen!’. Das ist ihr Stadtteil und die nehmen das wirklich ernst. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich mich getraut habe, den Mund aufzumachen”, sagt er.
2013 hatte auch er schließlich Grund für Protest. Mitten in der Produktion der „Wilden 13“ schickte der städtische Vermieter ihm und allen Nutzern der Zinnwerke die Kündigung. Die Stadt wollte das 100 Jahre alte Backsteingebäude, in dem seine Produktionsfirma „Hirn und Wanst“ sitzt, abreißen. Loredo tat sich mit Nachbarn zusammen, mobilisierte die Kulturszene, die Medien, diskutierte mit Politikern und kämpfte für den Erhalt des Gebäudes – mit Erfolg: Die Stadt machte einen Rückzieher. Loredo und die über 20 Künstler, Bildhauer und Kulturwissenschaftler, die in den Zinnwerken arbeiten, durften bleiben.

Hirn und Wanst produziert einen Spielfilm

In der Hamburger Kulturwelt hat sich Marco Loredo einen festen Platz erarbeitet. Als
nächstes produziert Hirn
und Wanst einen Spielfilm. Auch eine Fortsetzung der Konspirativen Küchenkonzerte (KKK) ist geplant, die Loredo bereits zwei Grimme-Preis-Nominierungen einbrachten. Gedreht wird in der Küche des Lofts im Phusthof, das er seit 2007 gemeinsam mit Schäfer bewohnt.
Mit KKK begann Loredo eine neue Karriere als TV-Produzent und Moderator. „Ich habe eine Zick-Zack-Biografie“, sagt der in Weimar geborene Halbbolivianer. Mit 18 gründete er ein Fitnessstudio, später lernte er Koch, studierte Volkskunde und arbeitete als Gestalter und Innenarchitekt. Alles Zufälle, sagt das Allround-Talent. Auch, dass er nach Wilhelmsburg zog, sei einer gewesen, ein guter. Er schätzt die Freiräume und die Freiheit, die ihm die Elbinsel bietet. „Den verrück-ten Scheiß, den wir hier gemacht haben, hätten wir nirgendwo anders machen können”, sagt Loredo.


Wilde 13 im Theater
Karten gibt es nur noch für die Vorstellung am Montag, 22. Dezember, 19 Uhr. Alle anderen Vorstellung in diesem Jahr sind ausverkauft.
Kartentelefon: Tel 32 81 44 44
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.