In Harburg gibt’s immer weniger Bäume

Im Jahr 2014 wurden im Bezirk Harburg 282 mehr Bäume gefällt als neue angepflanzt. Foto: cv

Im Jahr 2014 wurden im Bezirk 1.123 Bäume gefällt,
aber nur 841 mussten neu gepflanzt werden

Die Motorsägen sind wieder eingepackt, die jährliche Baumfällsaison ist vorbei. Zeit, Bilanz zu ziehen. Und die sieht für den Bezirk Harburg unerfreulich aus. Es wurden deutlich mehr Bäume abgeholzt als neu gepflanzt. In Zahlen: 1.123 Bäume fielen im Jahr 2014 einer Motorsäge zum Opfer. Zum Ausgleich forderte die Verwaltung die Anpflanzung von 841 neuen Bäumen. Bleibt ein Defizit von 282 Bäumen!

NABU kritisiert Defizite
bei der Nachpflanzung

„Die Differenz zwischen Fällung und Ersatz ergibt sich zum Beispiel daraus, dass als Ersatz unter Umständen, etwa bei sehr kleinen Grundstücken, eine Hecke gepflanzt werden kann oder die Fällung eine bestandspflegende Maßnahme ist, bei der ausgewählte Bäume durch Freistellung in ihrem Wachstum begünstigt werden sollen. Ersatzpflanzungen wären hier unter Umständen kontraproduktiv“, erkäutert Harburgs Bezirksamtssprecherin Bettina Maak.
Für den NABU sind Defizite bei der Nachpflanzung „völlig inakzeptabel.“ Katharina Schmidt (NABU Hamburg) befürchtet Schlimmes: „Unsere Auswertung der Fälllisten der Bezirke legt den Schluss nahe, dass wir es mit einer schleichenden Entgrünung Hamburgs zu tun haben.“
Weiterer Kritikpunkt des NABU: Viele Bezirke - auch Harburg - konnten nur unvollständige Angaben zu Nachpflanzungen machen. „Die Angaben in den Listen müssen zu Beginn einer Fällsaison vollständig sein“, fordert Katharina Schmidt.
Doch das ist gar nicht so leicht. Alle Angaben müssen in den Naturschutzreferaten per Hand erfasst werden.
„Eine automatisierte Statis-tik ist mit dem Bearbeitungsprogramm, das in allen Bezirken verwendet wird, nicht möglich“, erläutert Bezirksamtssprecherin Maak. Fehlende Zahlen sind demnach kein böser Wille, sondern eher der personellen Ausstattung in den Naturschutzreferaten geschuldet.

Nur heimische Bäume
dienen als Ersatz

Was für Bäume können ersatzweise gepflanzt werden? Kann sich das jeder frei aussuchen? Bettina Maak: „Nein, als Ersatzbäume werden heimische, standortgerechte Bäume gefordert.“
In der Umweltbehörde gibt es eine Gehölzliste, in der geeignete Baumarten aufgeführt sind.
Diese Liste wird hamburgweit angewendet.

Bäume im
Bezirk Harburg

Im Bezirk Harburg gab es laut Baumkataster im Jahr 2014 23.790 Straßenbäume sowie etwa 30.000 Bäume in Grünanlagen. Wie viele Bäume auf privaten Grundstücken stehen, ist nicht bekannt.
Zwischen 2010 und 2012 wurden im Bezirk Harburg 1.095 Bäume gefällt und 1.022 neu gepflanzt.
Um den Zustand der Bäume an Straßen und in öffentlichen Grünanlagen ständig im Blick zu haben, beschäftigt die Harburger Verwaltung extra Baumkontrolleure. Diese erledigen ihre Arbeit mit Hilfe eines digitalen Baumkatasters.
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1 Kommentar
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Petra Weinstein aus Harburg | 04.04.2015 | 19:31  
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