Ihr Rezept: Zuhören, Toleranz und Zivilcourage

Die Harburgerin Ingeborg Kruse wurde von Hamburgs Bürgermeister mit der Medaille für treue Arbeit im Dienst des Volkes ausgezeichnet. Foto: sl

Ingeborg Kruse hat sich 50 Jahre ehrenamtlich engagiert - jetzt gab es dafür eine Auszeichnung durch Hamburgs Bürgermeister

SABINE LANGNER, HARBURG
Nicht im Mittelpunkt stehen. Sich einbringen in die Gemeinschaft. Etwas abgeben von dem eigenen Glück im Leben. Für Ingeborg Kruse gehören diese Dinge zum Leben, wie die Luft zum Atmen. Fast 50 Jahre hat sich die Harburgerin ehrenamtlich in verschiedenen Bereichen engagiert. Nun wurde sie dafür von Hamburgs Bürgermeister mit der Medaille für treue Arbeit im Dienst des Volkes ausgezeichnet.

Als die erste Tochter 1969 in den Kindergarten kam, wurde Ingeborg Kruse gefragt, „ob ich Zeit hätte, mich um Kinder zu kümmern, die in der Entwicklung ein bisschen zurück geblieben waren“, erinnert sie sich. Sie hatte und kümmerte sich fortan um vier bis fünf Kinder, während ihre erste und später auch die zweite Tochter im Kindergarten spielten. Als die Mädchen in die Schule kamen, engagierte sich Ingeborg Kruse so stark im Elternrat, dass sie schließlich im Schul-, später im Kreis-, Landes- und Bundeselternrat landete.

Inzwischen sind die Töchter erwachsen, haben teilweise eigene Kinder und Ingeborg Kruse suchte sich eine andere Beschäftigung. Durch Zufall kam sie in Kontakt mit der Anglo-German International Women Association, kurz AGIWA. „Wir Frauen sind unseren Männern immer hinterher gereist auf ihren beruflichen Stationen“, berichtet Ingeborg Kruse. „Die Männer haben es oft viel leichter über ihre Jobs Kontakte zu knüpfen. Die Frauen wissen nicht, wo sie ihre Kinder zur Schule schicken sollen, wo es Ärzte und Kitas gibt.“

140 Mitglieder aus 52 Nationen hat der Club in Hamburg. Für Ingeborg Kruse eine perfekte Möglichkeit, der Völkerverständigung und der Integration von Ausländern. Ganz nebenbei fließen noch erhebliche Geldsummen aus diesem Club in soziale Projekte. Zu guter Letzt hat sie bis zum ihrem 70. Geburtstag auch noch 16 Jahre lang als Schöffin an verschiedenen Hamburger Gerichten gewirkt.

Dass all diese Aktivitäten nun zu der Medaille geführt haben, überrascht die umtriebige England-Liebhaberin. „Ich habe mich ganz außerordentlich gefreut, hätte aber nie damit gerechnet“, sagt sie. „Ich bin 1938 auf die Welt gekommen und habe die Auswirkungen des Krieges noch gut erlebt. Daher wünsche ich mir nichts mehr als Frieden und Verständigung auf der Welt. Das erreicht man aber nur mit Zuhören, Toleranz und Zivilcourage.“
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