"Ich schäme mich"

Ioannis Michelakakis fordert „Einigkeit zwischen Politik und Volk herstellen.“ Foto: ats

Was sagen Harburger Griechen zur Griechenland-Krise

Von Andreas Tsilis. Harburg.
Die drohende Griechenland-Pleite beherrscht die Schlagzeilen. Was sagen in Harburg lebende Griechen zur schwierigen Lage in ihrer Heimat?
Vangelis T. ist nachdenklich geworden. „Wo bleibt die Gerechtigkeit?“, fragt der pensionierte Lehrer. Ruhig und sachlich fordert er die Vereinigten Staaten von Europa und eine EU-Regierung, in der alle Mitgliedsländer gleichberechtigt vertreten sind. Im Hinterzimmer seiner Stammkneipe wird dagegen lautstark darüber debattiert, ob Griechenland den Euro behalten soll oder zur Drachme zurückgekehrt.
Auch an diesem Abend behalten die Eurofreunde die Oberhand. Noch. T. spricht aus, was viele Harburger Griechen gegenüber ihrem Heimatland empfinden:. „Ich schäme mich für ein System, in dem Steuerhinterziehung seit Jahrzehnten Volksport ist.“ Seit vierzig Jahren lebt er mit seiner Familie in Harburg, arbeitete als Grundschullehrer, bezahlt regelmäßig seine Steuern. Die aktuellen TV-Bilder aus der Heimat sind für den 65-Jährigen Bilder aus einem fremden Land.
Für Matina K.. ist es eine reine Bankenkrise. „Wir Griechen müssen den Kopf hinhalten für Fehlentscheidungen aus Verwaltung und Wirtschaft“, meint die Fremdsprachenkorrespondentin. Für die Heimfelderin (44) gehört der Euro ebenso in die Mottenkiste wie die verantwortlichen griechischen Politiker.
Eine Einstellung, die Konstantin B. so nicht akzeptiert. Für den studierten Betriebswirt sind Vetternwirtschaft, Korruption und Machterhalt nur ein Teil des Problems. Als Importeur griechischer Delikatessen stört ihn die „Morgen ist auch noch ein Tag“-Mentalität, die womöglich nicht nur für Griechenland zum Verhängnis wird.„Ich hoffe, dass der deutsche Steuerzahler den obligatorischen Ouzo beim Restaurantbesuch nicht doppelt und dreifach begleichen muss, wenn Griechenland seine Schulden nicht bezahlt“, erklärt der Geschäftsmann. „Grieche“, könnte so zum Unwort werden“, fügt der Neugrabener besorgt hinzu.
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