„Ich liebe die deutsche Sprache!“

Unter der Leitung von Volker Dierssen trifft sich die Gruppe "Dialog in Deutsch" in der Harburger Bücherhalle. In lockeren Gesprächen über alltägliche Themen sollen die Teilnehmer die Scheu vor dem Sprechen verlieren. Foto:ast

Seit zwei Jahren erfolgreich: Das Projekt „Dialog in Deutsch“ in der Bücherhalle

Wenn sich Ghada, Ali, Ram, Mavis, Eun Kyung und Sepideh in ihren Muttersprachen unterhalten würden, könnten sie einander nicht verstehen, denn sie kommen aus Korea und Afghanistan, aus der Türkei, dem Sudan und dem Iran. Ihre gemeinsame Sprache aber ist Deutsch, denn sie leben mit ihren Kindern und Familien in Harburg - manche von ihnen erst seit ein paar Monaten, andere schon Jahrzehnte.
„Wenn ich im Supermarkt einkaufe, muss ich kein einziges Wort sprechen“, sagt Ram. „Dabei liebe ich die deutsche Sprache.“ Der Afghane hatte zwar nach seiner Einreise vor zehn Jahren einen Deutsch-Kurs besucht, doch „das habe ich längst alles vergessen.“ Jetzt sitzt er in der Harburger Bücherhalle, und unterhält sich mit seinen Mitstreitern über ganz alltägliche Themen.
Beim „Dialog in Deutsch“ finden sich ausländische Mitbürger zu einem lockeren Gespräch zusammen. Dabei geht es um Themen, die die Menschen im Alltag beschäftigen. Heute zum Beispiel wird über Mietverträge und Kaution gesprochen. „Die Themen kommen meist von den Teilnehmern selbst“, sagt Gruppenleiter Volker Dierssen. Der Beamte, der im Landkreis Harburg in der Einbürgerungsabteilung tätig ist, engagiert sich seit einem Jahr ehrenamtlich für das Projekt.
55 Gruppen gibt es mittlerweile in Hamburgs Bücherhallen. „Es ist mehr draus geworden, als wir vor zwei Jahren gedacht haben,“ erklärt Projektleiterin Annja Haehling von Lanzauer. Und das liegt nicht nur an den kleinen Gruppen und der kostenfreien Teilnahme. „Das ist Integration von Mensch zu Mensch.“ Nationalität, Alter und soziale Schicht spielen hier keine Rolle. „Wichtig ist, dass die Menschen die Scheu verlieren, Deutsch zu sprechen. Sie können sich hier ausprobieren“, so die Mitarbeiterin der Hamburger Bücherhallen.
Genau das Richtige auch für Sepideh (34). Die Iranerin ist ihrem Mann vor knapp drei Jahren nach Harburg gefolgt. Jetzt hat auch sie einen Teilzeitjob: „Wenn die Menschen mich nicht richtig verstehen, glaube ich immer, sie finden mich dumm.“ Sie will besser Deutsch lernen, und vor allem mehr Kontakt zu Deutschen bekommen. Und das, weiß Sepideh, geht nur über die Sprache.


Hintergrund
55 Gruppen gibt es in Hamburg, zwei davon in der Harburger Bücherhalle: dienstags von 16 bis 17 Uhr und samstags von 11 bis 12 Uhr. Das Angebot ist kostenlos, eine verbindliche Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Teilnehmer sind herzlich willkommen.
Gesucht werden auch ständig ehrenamtliche Gruppenleiterinnen und -leiter, sowie Ehrenamtliche, die während der Gruppen auf Kinder aufpassen. Kontakt über Dialogindeutsch@buecherhallen.de. und www.buecherhallen.de
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