Holzbalken waren morsch

Die Balkenkonstruktion war morsch, deshalb muss das Grün in der Rathauspassage weg. Foto: sl

In der Harburger Rathauspassage wurden an einer Wand Nistplätze für Vögel zerstört

Monika Köbke ist stinksauer! Jahrelang hat sich die Haburgerin über die Vögel gefreut, die in der mit Efeu bewachsenen Wand in der Harburger Rathauspassage nisteten. Doch nun müssen sich Rotkehlchen, Zaunkönig, Amsel & Co ein neues Zuhause suchen. Mitarbeiter einer Gartenbaufirma haben mit einer Kettensäge das gesamte Grün von der Wand geschnitten. „Ich habe noch nie in meinem Leben gegen eine Sache demonstriert“, sagt Monika Köbke. „Aber dies bricht mir das Herz. In dem Grün an der Wand haben so viele Vögel genistet. Hoffentlich waren dort noch keine Eier drin.“

Besonders wütend ist Monika Köbke, weil sie gar keine Notwendigkeit für den Kahlschlag sieht. „Ich wohne genau gegenüber“, berichtet sie. Die Wand war wunderschön mit Efeu, Hopfen und blau blühenden Wicken bewachsen. Warum musste man das alles abholzen?“

Weil die Balkenkonstruktion, die das Grün an der Wand gehalten hat, morsch war, sagen die Mitarbeiter der Gartenbaufirma. „Das Holz war total vergammelt. Irgendwann wäre das alles umgefallen“, so einer der Mitarbeiter und beruhigt gleichzeitig Monika Köbke, dass die Nester leer waren.

Noch waren die Nester leer. Aber schon eine Woche später hätte das ganz anders ausgesehen. Offiziell beginnt am 1. März die Schonzeit für Vögel. Bis zum 30. September ist es nun verboten, Bäume und Büsche zu beschneiden. „Anfang März beginnen die Vögel normalerweise mit dem Nestbau. Durch den harten Wintereinbruch, den wir in den letzten Tagen noch mal hatten, steht auch nicht zu befürchten, dass sie früher angefangen haben“, erklärt Marco Sommerfeld, Experte für Stadtgrün beim NABU Hamburg. „Amseln brüten zwölf Tage, so dass spätestens ab Anfang April Jungvögel in den Nestern sitzen.“

Der Naturschützer versteht aber durchaus den Zorn von Monika Röbke. „Auch wenn der Kahlschlag in dieser Zeit für die Vögel noch in Ordnung war, ist es grundsätzlich schade um jedes Grün, das in der Stadt weggenommen wird. Gerade begrünte Hauswände sind eine fabelhafte Möglichkeit für Zaunkönige, Amseln und Ringeltauben zum Nisten. Außerdem werden die Wände natürlich gedämmt“, so Marco Sommerfeld weiter. „Und gerade in heißen Sommertagen, sorgt jedes Grün in der Stadt dafür, dass es sich abends abkühlen kann.“
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