Hochzeitssaal: „Das ist kein normales Verfahren“

Die Firma Platinum Event Center möchte in der Lauterbachstraße einen Hochzeitsraum betreiben. Foto: oz

Akteneinsicht zeigt: Ex-Bezirksamtsleiter Ulrich hat mitgemischt

Der Skandal um den Hochzeitssaal in der Lauterbachstraße weitet sich aus. „Vieles deutet auf eine verfahrensfremde Einflussnahme hin“, erklärt Ralf-Dieter Fischer (CDU). Im Klartext: Am Verfahren hat jemand mitgewirkt, der damit eigentlich gar nichts zu tun hatte: Ex-Bezirksamtsleiter Michael Ulrich (SPD).
Hintergrund: Im März 2013 beantragt die Firma Platinum Event Center (Geschäftsführer: SPD-Politiker Martin Celik), in der Lauterbachstraße ein Veranstaltungszentrum zu eröffnen, in dem insbesondere muslimische Mitbürger Hochzeiten feiern können. Die Bauprüfabteilung genehmigt am 27. November 2013 den „Hochzeitssaal“ unter Auflagen. Einige Veranstaltungen fanden statt.
Auf Anfrage der CDU teilte die Verwaltung Anfang Februar erst mit, dass alle Anforderungen bezüglich Brandschutzkonzept und Stellplatzfragen vollständig erfüllt seien. Wenig später wurde diese Auskunft zurückgenommen, diverse Mängel beim Brandschutz festgestellt und der Hochzeitssaal geschlossen.
Um die undurchsichtigen Abläufe zu durchleuchten, beantragten SPD und CDU Akteneinsicht. Für die CDU nahmen Fraktionschef Ralf-Dieter Fischer und Rainer Bliefernicht den Aktenberg fast drei Stunden unter die Lupe. Fischers Einschätzung: „Das war kein normales Verfahren.“
Offenbar hat Michael Ulrich (SPD), von 1991 bis 1998 Harburger Bezirksamtsleiter, im Hintergrund fleißig die Strippen gezogen. Wollte er bei der Verwaltung für seinen Geschäftspartner Martin Celik beim Genehmigungsverfahren Hürden aus dem Weg räumen? Klar ist: Sein Name taucht mehrfach in den Akten auf - obwohl er mit dem Verfahren offiziell gar nichts zu tun hatte.
Auch SPD-Fraktionschef Jürgen Heimath gibt zu: „Nach Aktenlage ist Michael Ulrich involviert.“
Sein Fazit aus der ersten Akteneinsicht: „Darüber hinaus bin ich erschrocken, dass der Antragsteller im Internet damit geworben hat, Veranstaltungen mit bis zu 1.200 Personen durchführen zu können - obwohl er wusste, dass er maximal eine Nutzung für 586 Personen bekommen würde. Das ist skrupellos.“

Unvollständig

Nach Einschätzung von Ralf-Dieter Fischer (CDU) hat die Verwaltung nicht alle angeforderten Informationen geliefert: „Der Mailverkehr und die Telefonate zwischen den Dienststellen fehlte völlig.“

Michael Ulrich

Der Ex-Bezirksamtsleiter ließ alle Wochenblatt-Fragen unbeantwortet.

Martin Celik

Martin Celik hat die Geschäftsführung der Platinum Event Center GmbH aufgegeben. Aus Sicht der Firma ein kluger Schachzug. Denn es scheint fraglich, ob die Firma mit Celik als Geschäftsführer die für den Betrieb des Hochzeitssaals erforderliche Gaststättenkonzession bekommen hätte. „Mangels Zuverlässigkeit kann Celik keine gaststättenrechtliche Genehmigung erhalten“, ist sich CDU-Mann Fischer sicher.
Bei der Bezirkswahl im Mai will Martin Celik nach wie vor als SPD-Spitzenkandidat im Wahlkreis Harburg/Neuland antreten.
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