Hier gibt’s nur „platte Sachen“

Peer Marten Scheller feiert in diesem Jahr das 100-jährige Bestehen seines plattdeutschen Quickborn-Verlags. Foto: sl

Heimfelder Quickborn-Verlag feiert 100. Geburtstag

Von Sabine Langner.
Als Paul Wriede vor 100 Jahren seinen Quickborn-Verlag in der Dammtorstraße mitten in Hamburgs City gründete, konnte fast jeder Norddeutsche Platt schnacken. Aber in den 40er und 50er Jahren galt es als unfein, nicht hochdeutsch zu sprechen. Dass heutzutage Plattdeutsch wieder an zehn Hamburger und an 29 niedersächsischen Grundschulen auf dem Lehrplan steht, ist der Verdienst einer Handvoll Menschen, die sich den Erhalt der Sprache auf die Fahnen geschrieben haben.
Einer von ihnen sitzt in einem winzigen Häuschen in einem Heimfelder Hinterhof. Peer Marten Scheller ist seit 30 Jahren Inhaber des Quickborn-Verlages, des einzigen deutschen Verlages, der in seiner 100-jährigen Geschichte ausschließlich plattdeutsche Bücher verlegt hat. „Nach Heimfeld ist der Verlag nach dem Zweiten Weltkrieg gezogen, weil die alten Räume komplett ausgebombt waren“, weiß Peer Marten Scheller aus der Chronik.
Für den heute 60-jährigen Scheller war die Übernahme des Verlags eine Art Blind Date.
Damals noch als Verlagskaufmann im Fischer-Verlag in Frankfurt beschäftigt, las der Sohn eines Buchhändlers im Branchenblatt eine Chiffre-
Anzeige, dass ein Verlag in Hamburg zu verkaufen sei. In Absprache mit seiner Frau Gesche wagte Scheller den Schritt in die Selbstständigkeit. Bei der Frage, ob er die Entscheidung je bereut hat, muss Peer Marten Scheller einen Moment nachdenken. „Man wird mit plattdeutschen Büchern nicht reich, aber wir haben ein gutes Auskommen“, sagt er schließlich.
Dazu beigetragen haben in den letzen Jahren Künstler wie Ina Müller oder Jared Dibaba, die ihr Plattdeutsch nicht nur im Radio und im Fernsehen pflegen, sondern auch Bücher schreiben. Aber trotz solcher Glücksfälle für den Verleger funktioniert das
Geschäft nur mit harter Arbeit. Acht bis zehn Neuerscheinungen bringt der Quickborn-Verlag im Jahr heraus.
„Wir haben insgesamt haben rund 30 Autoren und etwa 60 lieferbare Titel im Programm“, berichtet Peer Marten Scheller. Dazu gehört seit neuestem auch ein Schulbuch für die Grundschule und die plattdeutsche Übersetzung des Kinderbuchklassikers „Der Grüffelo“.

Plattdütsch for
Tohörers

Am heutigen Mittwoch, 14.
Oktober, feiert der Quickborn Verlag seinen Geburtstag in der Reihe „Plattdütsch for tohörers“ um 20 Uhr in der Harburger Bücherhalle, Eddelbüttelstraße 47, mit der
Lesung von unterhaltsamen plattdeutschen Kurzgeschichten.
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