Helfen durch tauschen

Offenes Atelier: Der Hamburger Künstler Sladan Kristicevic möchte mit Kunst Obdachlosen helfen. Foto: chad smith

Im Habibi Atelier können Besucher mit Kunst Gutes für Obdachlose tun

Chad Smith, Harburg

Das „Habibi Atelier“ im ersten Obergeschoss der Harburg Arcaden ist Schauplatz eines ungewöhnlichen künstlerischen Hilfsprojektes: Noch bis zum 30. November sind die Harburger – Schulklassen, Vereine, Unternehmen, Hobbykünstler – aufgefordert, Kunstwerke für eine Ausstellung anzufertigen oder schon fertige beizusteuern. Die sollen dann zugunsten von Obdachlosen getauscht werden.
An diese Schaffensphase schließt sich die zweiwöchige Ausstellung an. Den Grundstock an Kunstwerken hat Künstler
Sladan Kristicevic zusammengestellt. Kristicevic will damit Kunstinteresse verbreiten, aber sich auch für eine humanitäre Idee einsetzen. Denn die ausgestellten Kunstwerke sollen nicht – wie sonst üblich – verkauft werden, sondern Interessierte können sie nur im Tausch gegen Decken, Socken und andere im Winter für Obdachlose nützliche Dinge erwerben. Am dringendsten werden übrigens Rasierzeug und Schlafsäcke benötigt, sagt Kristicevic. „Einige Leute denken, sie könnten sich keine Kunst leisten, weil die so teuer ist. Wenn man tauscht, wird Kunst für den Einzelnen eher zugänglich“, sagt Sladan Kristicevic.
Kristicevic, als Künstler nennt er sich „Sly“, arbeitet seit 2015 mit syrischen Flüchtlingen (siehe Kasten). Überrascht war er, wie schnell sie zustimmten, Obdachlosen zu helfen. „Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sie sich in ihrem eigenen Leben stabil genug fühlten, um jetzt anderen helfen zu können“, sagte er. Der Großteil der gezeigten Arbeiten entstand erst kürzlich, es sind aber auch Werke dabei, die kurz nach der Ankunft in Deutschland produziert worden sind, und die oft besonders starke Gefühle zeigen. Ein Bild zeigt das harte Flüchtlingsleben: Niedergeschlagene Figuren stehen neben einem Stacheldrahtzaun unter einem roten Himmel und warten darauf, einen unbekannte Ort zu betreten. Andere Bilder sind positiver: Ein Pferd in kühnen, expressionistischen Farben spiegelt Hoffnung wider.
Die Ausstellung wird am Montag, 4. Dezember, um 16 Uhr, im Erdgeschoss der Harburg Arcaden mit Musik der „Hamburg Gossenhauer“ eröffnet. Dann können die bis dahin entstandenen Werke bis zum Donnerstag, 14. Dezember, angeschaut und getauscht werden. In der letzten Woche vor Weihnachten ist „Bescherung“: „fördern und wohnen“ und das Deutsche Rote Kreuz holen die „Spenden“ ab und verteilen sie an Obdachlose.
 
Hintergrund
Künstler Sladan Kristicevic, Künstlername Sly, ist mit seinem erfolgreichen „Habibi-Atelier-Projekt“ für einige Monate in Räumlichkeiten im ersten Obergeschoss des Einkaufszentrums Harburg-Arcaden zu Gast.
Das erste Habibi Atelier (arabisch für geliebtes Atelier) entstand 2015 in der Erstaufnahme­einrichtung Hörgensweg (Eidelstedt) unter extremen Situationen mitten in einem Baumarkt.
Anschließend wurde das Habibi Atelier mobil und war täglich in Flüchtlings-Camps verschiedener Stadtteile vor Ort, bis es Ende 2016 bis April 2017 eine feste Adresse im Keller des Restaurants „Kaiserlich“, Am Schwarzenberg, in Harburg fand.
Grundidee ist, die Atelier-Türen für alle Menschen zu öffnen und einen Raum des Schaffens und der Begegnung entstehen zu lassen.
Eine erste Ausstellung mit Arbeiten der Künstlern wurde im Februar 2017 im Harburger Rathaus präsentiert.
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