Hat er Kinder missbraucht?

Kein Zutritt für Fotografen und TV-Berichterstatter: Im Saal 390 des Landgerichts Hamburg war das Filmen und Fotografieren verboten. Foto: Schwarz

Vor dem Landgericht Hamburg wird gegen
Olaf B. aus Marmstorf verhandelt

Von Reinhard Schwarz.
Die Mütter vertrauten ihm,
ihre Kinder durften bei Olaf B. übernachten. Sie kannten ihn schon seit Jahren. Was sie nicht wussten: Der Marmstorfer saß bereits zweimal jeweils mehr als zwei Jahre wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in Haft. Jetzt steht der 41-Jährige wieder vor dem Richter.
Er ist angeklagt, mindestens zwei Jungen im Alter von jeweils elf Jahren unter anderem beim Fernsehgucken im Intimbereich berührt zu haben. Schließlich offenbarte sich eines der Kinder seinen Eltern, der Fall kam ins Rollen. Die Mütter erstatteten Anzeige, B. kam in Untersuchungshaft.
Die Vorwürfe wiegen schwer, B. droht eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren. Die Kinder sind traumatisiert, weigern sich, zur Schule zu gehen, befinden sich in psychologischer Betreuung. Das Landgericht will in den nächsten Sitzungen einen Sachverständigen hinzuziehen. B. selbst scheint die Verhandlung recht locker zu nehmen, als auf der Zuschauerbank jemand niest, lächelt er freundlich in dessen Richtung. Während der Verhandlung schreibt der korpulente Angeklagte eifrig mit, macht sich Notizen, blättert interessiert in den Unterlagen.

„Vice-Schützenkönig“
in Marmstorf

Zur Sache äußert sich B. nicht. Stattdessen lässt er seinen Anwalt sprechen. Dieser beantragt die Einstellung des Verfahrens, die Anklage sei zu unbestimmt, argumentiert er. Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück, lehnt den Antrag ab. Die Anklage sei „hinreichend bestimmt“, erklärt der Richter.
Das Verfahren läuft weiter. Um die Kinder nicht weiter zu belasten und zu schützen, wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein Zeugenvideo mit Aussagen der Jungen gezeigt.
Laut Staatsanwalt hatten die Kinder den späteren Angeklagten 2015 „regelmäßig“ besucht, dabei guckten sie mit B. unter anderem Fernsehen, übernachteten sogar häufig bei ihm. Dabei soll es zu den Übergriffen gekommen sei. B. wird von einer der Mütter als „zuverlässig und hilfsbereit“ charakterisiert. Er wurde in 2015 sogar „Vice-Schützenkönig“. Bei Gesprächen im Gerichtsflur wird deutlich, dass B. noch mehr Kinder bei sich „zu Besuch“ gehabt haben soll.
Der Prozess wird fortgesetzt.
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