Harburgs Propst geht in Rente

Nach 35 Jahren als Pastor und Propst in Harburg geht Jürgen Bollmann jetzt in den Unruhestand. Foto: sl

Jürgen F. Bollmann wird am 6. Mai mit einem Festgottesdienst in der St. Johannis-Kirche verabschiedet

Einmischen? Immer! Im Mittelpunkt stehen? Nicht so gern. 35 Jahre hatte Jürgen Friedrich Bollmann einen festen Platz in der evangelischen Kirche Hamburgs – zuletzt knapp 20 Jahre als Propst. Jetzt wird der 65-jährige Wilstorfer pensioniert. Seine Nachfolge ist noch ungeklärt. Der neue Propst soll erst im September gewählt werden.
Es hat lange gedauert, bis Jürgen Bollmann seinen Weg klar vor Augen hatte. Durch einen Nachbarn landete er als 16-Jähriger nach dem Realschulabschluss bei einem Mineralölunternehmen. Nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann und der Zeit bei der Bundewehr „langweilte ich mich ganz fürchterlich“, sagt er. Also holte er in einer Abendschule sein Abi nach, entschied sich für ein Betriebswirtschaftsstudium und wollte später eigentlich Steuerberater werden.
An der Uni entdeckte er die politische Arbeit und mischte sich sofort ein. Streiks, Demonstrationen, politische wilde Zeiten Anfang der 70er Jahre – langweilig fand der junge Mann jetzt nur noch das Studium. „Das meiste kannte ich ja schon aus meiner Ausbildung“, sagt er.
„Bei meiner politischen Arbeit an der Uni habe ich gemerkt, dass ich die Fähigkeit habe, andere Menschen zu überzeugen“, staunt Jürgen Bollmann heute noch. „Ich habe es geschafft, im Sommer ‘72 trockene BWLer, die eigentlich nur ihr Studium im Kopf hatten, zu Demonstrationen auf die Straße zu locken. Als jemand, der 1947 auf die Welt kam und der den Naziwahnsinn fast noch live miterlebt hätte, hat mir diese Fähigkeit Angst gemacht.“ Fast gleichzeitig erlebte der gläubige Christ in seiner Heimatgemeinde Schnelsen einen Pastor, den er fürchterlich fand. „Das kann ich besser“, beschloss er und begann das Theologiestudium.
Aber auch als Pastor wollte sich der Vater zweier Söhne weiter einmischen. Oberstes Gebot war und ist es immer noch, für die Würde aller Menschen zu kämpfen. Für Menschen, die aufgrund einer Behinderung oder ihrer Herkunft aus armen Ländern nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Diesen Kampf will er auch zukünftig weiter fortsetzen.
Der offizielle Ruhestand beginnt für Jürgen F. Bollmann mit einem Festgottesdienst mit der Bischöfin Kirsten Fehrs am Sonntag, 6. Mai, um 15 Uhr in der St. Johannis-Kirche.
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