Harburgs Hebammen gehen auf die Barrikaden

Hamburgs Hebammen wollen streiken für mehr Lohn. Foto: Andreas Lohmann / Hebammenverband Hamburg (Foto: Andreas Lohmann)

Harburg: Streik für einen besseren Stundenlohn für Donnerstag, 20. Oktober, geplant

Sie können von ihrer Arbeit nicht mehr leben. Ein Nettostundenlohn von 7,50 Euro ist zu wenig. Daher gehen jetzt Deutschlands Hebammen auf die Barrikaden. Am Donnerstag, 20. Oktober, ist ein Hamburgweiter Streik der freiberuflichen Hebammen geplant. In Harburg soll ein Infostand vor Karstadt in der Zeit von 11 bis 15 Uhr auf die Missstände hinweisen.
550 Hebammen sind in Hamburg im Hamburger Hebammenverband organisiert. Gut die Hälfe von ihnen arbeitet ganz oder teilweise fest angestellt in verschiedenen Geburtskliniken. Die andere Hälfte arbeitet selbstständig. Diese Hebammen haben die Wahl entweder 60 bis 70 Stunden in der Woche zu arbeiten oder sich noch zusätzlich um einen Nebenjob kümmern zu müssen. „Wir haben schon immer wenig verdient“, sagt Andrea Sturm, zweite Vorsitzende des Verbands, „aber vor gut einem Jahr ist noch einen Haftpflichtversicherung für Geburtshelfer dazu gekommen. Die liegt bei rund 3.000 Euro im Jahr. Um allein dieses Geld aufzubringen, muss man etwa acht Hausgeburten durchführen. Da wir so etwa drei bis vier Hausgeburten im Monat betreuen, arbeiten wir also mindestens zwei Monate lang nur für diese Versicherung.“
Was das Ganze so schwierig mache, sei die Art der Arbeit. „Bei Kindern weiß man einfach nie, ob die nach zwei oder nach 30 Stunden auf die Welt kommen“, so Andrea Sturm weiter. Auch bei den Hausbesuchen der Hebammen könnte man nicht wirklich planen. Manche Mütter hätten hundert Fragen zur Ernährung des Babys, bei der Vorbereitung der Geburt, beim anschließenden Umgang mit dem Kind. Von den Krankenkassen gibt es 27,50 Euro pro Hausbesuch – egal, wie lange der dauert. „Der erste Besuch nach der Geburt dauert in der Regel mindestens eineinhalb Stunden“, sagt Andrea Sturm. „Hochgerechnet müssen wir mindestens drei Hausbesuche machen, um uns eine Stunde lang einen Handwerker wie einen Klempner leisten zu können. Das kann doch nicht sein.“


Info: Den Notdienst übernehmen während des Streiks die Elbhebammen, Tel. 328 46 509 oder im Internet unter www.elbhebammen.de.
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