Hamburgs Feuerwehr schlägt Alarm

Wenn es in einem Haus brennt, sollte die Feuerwehr nach acht Minuten am Einsatzort sein - das schafft sie in Hamburg nur in fünf von 100 Fällen. Foto:sl
SABINE LANGNER, HARBURG
„Wir können die Feuerwehren ganz abschaffen und das Geld gleich den Hinterbliebenen geben“. Ernst gemeint ist dieser Vorschlag von Olaf Reichelt, Personalrat der Hamburger Feuerwehr, natürlich nicht. Aber tatsächlich hat die Hamburger Feuerwehr ein massives Problem. Dies besagt ein Gutachten, das Anfang des Jahres der Innenbehörde vorgelegt wurde. Aktuell fehlen in Hamburg 134 Stellen. „Richtig gut wären wir allerdings mit 650 neuen Leuten und sechs neuen Wachen“, zitiert Olaf Reichelt das Gutachten.

Besonders deutlich wird die Personallücke im Süderelberaum. Hier gibt es gibt es die Feuerwachen Harburg, Süderelbe, Veddel, Wilhelmsburg und Finkenwerder. Mit Ausnahme der Wache Veddel ist in allen anderen Wachen das Personal in der Zeit von 1994 bis 2010 um drei bis fünf Stellen reduziert worden. Die Wache in Harburg muss rund 88.500 Einwohner schützen. Süderelbe ist für den Schutz von rund 58.800 Einwohnern zuständig. Im Gegensatz zu reinen Wohngebieten im Norden Hamburgs gibt es hier eine starke Durchmischung von Wohn-, Gewerbe- und Industrieansiedlungen und die Zahl der Einsätze ist gestiegen.

Für Rainer Bliefernicht (CDU), selbst bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv, geben diese Zahlen durchaus Grund zur Sorge: „Kleine Hausbrände sind kein so großes Problem. Da helfen ja auch die Freiwilligen Wehren mit. Aber wir haben hier außerordentlich viel Industrie und wenn da was brennt, dann steigt die Gefahr mit jeder Minute, die die Löschfahrzeuge später kommen, exponentiell.“

Rund sieben Millionen Euro würden die 134 Feuerwehrleute kosten. „Abgesehen davon, dass wir dafür rund 6.000 Bewerber testen müssen und die neuen Mitarbeiter wohl erst in fünf Jahren einsetzbar wären, ist das jetzt eine politische Entscheidung, was Hamburg für die Sicherheit ihrer Bürger ausgeben will“, sagt Olaf Reichelt. Die Innenbehörde hält sich momentan noch bedeckt. „Wir haben das Gutachten vorliegen, prüfen den Sachverhalt und ich denke, dass wir auch noch in diesem Jahr eine Entscheidung erwarten können“, sagt Swantje Glissmann, Sprecherin der Innenbehörde.

Hintergrund
Wenn es in einem Haus brennt, hat die Feuerwehr durchschnittlich 17 Minuten Zeit, dort eingeschlossene Menschen zu retten und bei Bedarf auch wieder zu reanimieren. Um auf Nummer Sicher zu gehen, gibt es daher die Richtlinie, dass spätestens nach acht Minuten ein erster Einsatzzug mit zehn Mann Besatzung am Brandort sein muss. Nach spätestens 13 Minuten muss ein großer Löschzug komplett vor Ort sein. Diese Vorgaben erfüllt die Hamburger Feuerwehr zurzeit nur in fünf von 100 Fällen.
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