„Große Sprünge sind nicht drin“

Weil ihre niedrige Rente nicht reicht, haben 24.700 Hamburger Grundsicherung beantragt. Foto: panthermedia

Altersarmut: 24.700 Rentner in Hamburg sind
auf „Grundsicherung“ angewiesen – weil es
zum Leben sonst nicht reicht

Walter G. (82, Name geändert) will nicht klagen. Über 30 Jahre hat er in die Rentenkasse eingezahlt. Er arbeitete im Hafen, jobbte als Leiharbeiter, zuletzt war er Aushilfe an einer Tankstelle. Nach Abzug der Miete bleiben dem Kirchdorfer Rentner rund 350 Euro im Monat zum Leben. Sein Auto, einen
alten grauen VW Golf, hat er
bereits vor Jahren weggespart. „Aber auch wegen meiner schlechten Augen“, gibt er zu. „Große Sprünge sind mit der Rente nicht drin, aber ich komm’ schon klar.“
Armut im Alter ist auch im reichen Hamburg ein Thema. Im Jahr 2014 bekam ein Rentner nach Angaben des Sozialverbands Deutschland (SoVD) im Schnitt 805 Euro monatlich ausgezahlt. Personen, deren Nettoeinkommen unter 987 Euro liegt, gelten als „armutsgefährdet“. Das traf 2014 in Deutschland auf 16,7 Prozent der Bevölkerung zu.
Von den 330.000 Hamburger Rentnern beziehen 24.700 zusätzlich „Grundsicherung“ vom Amt, eine aus Steuermitteln
finanzierte Sozialleistung – weil ihre schmale Rente nicht zum Leben reicht. Grundsicherung kann beim zuständigen Sozialamt beantragt werden.
„Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist der Anteil an Rentnern, die Grundsicherung erhalten, in Hamburg am höchsten“, sagt Klaus Wicher, Hamburger Landesvorsitzender des SoVD.
Auch der jahrelange Sparkurs in den Bezirken zeigt Wirkung. Die Finanzierung von Seniorentreffs wackelt, eine Kontrolle von Senioreneinrichtungen und Ambulante Dienste findet nur selten statt. Klaus Wicher: „Und kostenfreie haushaltsnahe Hilfen, die beispielsweise beim Einkaufen und bei Arztbesuchenunterstützen, gibt es nur noch in Wandsbek.
Wird an der falschen Stelle gespart? „Nein“, sagt Bettina Maak, Sprecherin des Bezirksamtes Harburg. „Die
Angebote in Wandsbek gehen nicht vom Bezirksamt aus! Vermutlich gibt es in jedem Stadtteil Anbieter oder Vereine, die die Senioren gerne unterstützen.“ Plant Harburg, so einen kostenlosen Service wieder einzurichten? Bezirksamtssprecherin Maak: „Nein.“


Sozialkarte
Zur Förderung der Mobilität zahlt Hamburg Menschen mit wenig Geld freiwillig einen Zuschuss zu einer HVV-Monatskarte. Der Zuschuss ist auf 20,40 Euro pro Person und Monat begrenzt. Im Regelsatz der Sozialhilfe und bei der Grundsicherung sind bereits 25 Euro für diesen Zweck enthalten. Im Jahr 2015 haben 66.300 Hamburger die Sozialkarte genutzt. „Sozial Schwache müssen den ÖPNV kostenlos nutzen können“, fordert Klaus Wicher (SoVD-Hamburg).
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