Grenzsteinaufstellung in den Harburger Bergen

Die Gruppe der Helfer : Florian Henck, TraceyRuncimann, Sven Poslednik und Jürgen Naumann v. links Gerd Hasenbruch fehlt auf diesem Foto
 
Die beiden Forstwirte Jürgen Naumann und Florian Hench auf dem Hasselbrack
Grenzsteinaufstellung in den Harburger Bergen

Es ist ruhig und still und noch sehr, sehr früh am Morgen im September als wir mitten in den Harburger Bergen oben auf dem Hasselbrack dem höchsten Punkt Hamburg stehen, als plötzlich die Maschine des Forstbagger startet. Mit lautem Maschinengetöse wird der schwere Grenzstein Nr. 68 per Seilzug den Berg hochgezogen. Unterholz, Moos und Grasbewuchs ließen den Stein langsam im Erdreich verschwinden. Oben wurde bereits der ehemalige Standort per GPS lokalisiert und vorbereitet. Die Schaufel des Forstbaggers hebt mit Leichtigkeit den alten Grenzstein an seinen vorbestimmten Platz. Die Grenzsteine sind als Kleindenkmal unter Denkmalschutz gestellt. Mit Schaufel und Spaten bekommt das Denkmal seine Festigkeit und ist damit der Nachwelt erhalten geblieben. Im Landkreis Harburg. finden sich viele historische Grenzverläufe, die ab dem frühen Mittelalter durch bestimmte Grenzhügel oder Erdwälle markiert wurden. Ab dem 15. Jahrhundert wurden die Grenzen der einzelnen grundherrschaftlichen Besitzer durch Grenzsteine markiert. Diese Steine sind fast vergessen und liegen teils gut versteckt im Wald. Es war damals eine Meisterleistung der ansässigen Bauern die mehrere Hundert Kilo schweren Grenzsteine an Ihren vorgesehenen Platz zu befördern. Damals war der Rohstoff Holz so wertvoll dass ganze Wälder gegen Holz- Diebstahl mit kilometerlangen Wällen abgegrenzt wurden. Seit Jahrhunderten verläuft auf dem Hasselbrack, der höchsten Erhebung Hamburgs die Grenze zwischen der Stadt Hamburg und dem Amt Harburg. Im 18. Jahrhundert gehörte der größte Anteil am Waldbestand, des Rosengarten Forst, dem damaligen König Georg II. von England und Herrscher über das Fürstentum Braunschweig- Lüneburg. Die Grenze um den alten Buchenwald des Rosengarten wurde im Jahre 1751 mit einer Urkunde in London besiegelt und mit fast 200 Grenzsteinen markiert. Im Laufe der Zeit sind viele der Grenzsteine verloren gegangen und verschollen. Auf historischen Karten sind viele der alten Steine eingezeichnet. Es ist der Verdienst ehrenamtlicher Heimatforscher das immer wieder Grenzsteine lokalisiert werden und in Absprache mit Behörden, den Grundbesitzern und der Forstverwaltung gerettet und hergerichtet werden können. Im Falle des Hasselbrack war das eine schier unmögliche Angelegenheit. Der oben genannte 400 Kilogramm schwere Grenzstein hatte die Ziffer Nr. 68 und die übliche Wolfsangel eingraviert und war vor Jahrzehnten fast 60 Meter den Berg runtergerollt und lag nun auf Harburger Gebiet. Der Heimatforscher Tracey Runcimann entdeckte den Grenzstein vor zwei Jahren im tiefen Unterholz wieder und organisierte schon mehrere, aufwendige Wiederaufrichtungen im Landkreis Harburg ( Elbe Wochenblatt berichtet). Nach mehreren Gesprächen und Geländebegehungen lenkte der Förster Guido Hollmichel von der Forstverwaltung Hausbruch ein und schickte schweres Gerät und war dabei behilflich die vorgesehenen Grenzsteine an Ihren Bestimmungsort zu platzieren. Die Arbeitsgruppe Praktische Archäologie des Landkreis Harburg wurde vertreten von Tracey Runcimann, Gerd Hasenbruch und Sven Poslednik. Zusammen mit den Forstwirten Florian Henck und Jürgen Naumann konnten 15 Grenzsteine wieder an Ihren ursprünglichen Platz entlang des Harburg – Hamburger Grenzverlauf gesetzt werden. Nach mehreren Stunden war die Strecke vom Moisburger Stein beginnend über die Grenzstein Ziffer Nr. 87 – Nr. 67 bis hoch zum Hasselbrack abgearbeitet und die Findlinge aufgestellt. Nun können Wanderer die neuen- alten Grenzsteine bestaunen und sich ein Bild von der beeindruckenden Leistung der damaligen und heutigen Arbeiten machen.

Sven Poslednik

Bild 1 : Die Gruppe der Helfer : Florian Henck, TraceyRuncimann, Sven Poslednik und Jürgen Naumann v. links Gerd Hasenbruch fehlt auf diesem Foto
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