Goldene Fassade für Haus auf der Veddel

Diese Fassade in der Veddeler Brückenstraße soll bald mit Blattgold verziert werden. Foto: DPA
 
Quartierskünstler auf der Veddel: Boran Burchhardt. Foto: pr

Geplantes Werk des Quartierskünstlers Boran Burchhardt heftig umstritten

Boran Burchhardt hat sein Ziel erreicht. Die Veddel, einer der ärmsten Stadtteile Hamburgs, ist im Gespräch. Bereits mit der Ankündigung seines neuen Projekts hat der Hamburger Künstler für Aufsehen gesorgt. Burchhardt möchte die Fassade eines Hauses auf der Veddel „vergolden“. Die Kosten in Höhe von rund 85.000 Euro wird die Kulturbehörde tragen.
Hintergrund: Bereits seit 2006 vergibt die Saga/GWG-Stiftung Nachbarschaft das Atelierstipendium für den „Quartierskünstler auf der Veddel“. „Es dient der Förderung von Kunst und Kultur und der Belebung des Stadtteils“, erläutert Saga-Sprecher Michael Ahrens. Nach Olafur Gislason, Dellbrügge & de Moll, Rahel Bruns und Adnan Softić hat Boran Burchardt das fünfte Stipendium dieser Art erhalten. Es läuft bis Dezember 2017.
Wie soll das Kunstprojekt auf der Veddel aussehen? Michael Ahrens: „Vorgesehen ist, die Fassade des Gebäudes in der Veddeler Brückenstraße 150/152 künstlerisch zu gestalten. Boran Burchardt will diese im Dialog mit Mietern und Nachbarn ‘vergolden’“. Saga/GWG hat dieser Aktion als Eigentümerin des Gebäudes zugestimmt – in Abstimmung mit dem Amt für Denkmalschutz.
Warum das Ganze? Im Gespräch mit dem Wochenblatt sagt Boran Burchhardt: „Die Veddel birgt einen Schatz an Bewohnern. Darüber würde aber nie berichtet werden. Wird das Viertel erst einmal im Zusammenhang mit ,Gold‘ genannt, dann bekommt die Öffentlichkeit einen ganz anderen Blick auf den Stadtteil.“
Wird das Geld nicht an anderer Stelle gebraucht? Für die rund 85.000 Euro, die das Kunstprojekt kostet, könnte beispielsweise der FC Veddel United sehr lange Zeit sein Mittagessen-Projekt für Kinder finanzieren. Kommentar von Marianne Groß (Verein Zukunft Elbinsel): „Ich denke nicht, dass man Kunst gegen soziale Mängel aufrechnen soll. Aber ob eine goldene Wand in einem Vielvölker-Stadtteil ein verbindendes Element ist, dazu sollte man die Veddeler befragen.“
Der Bund der Steuerzahler kann Burchhardts Kunst nichts abgewinnen. „Wie kann es sein, dass die schwer erarbeiteten Steuermittel der Hamburgerinnen und Hamburger in Form von Blattgold an Häuserwände geklebt werden“, sagt Sprecherin Sabine Glawe. Burchhardts nächster Eintrag ins Schwarzbuch des Steuerzahlenbundes steht bevor.


Boran Burchhardt
legte 2004 sein Examen an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg ab. 2008/2009 sorgte er mit seinem „Minarett-Projekt“ für Aufsehen, als er die Türme der Centrums-Moschee in St. Georg mit grün-weißen Sechsecken bemalte. Sein Projekt „Die Alsterfontäne zu Gast auf dem Harburger Außenmühlenteich“ wurde 2012 im Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes als Beispiel für die Verschwendung von Steuergeldern angeprangert.

Umstrittene
Kunstwerke

Auch Projekte anderer Künstler haben in Hamburg für Gesprächsstoff gesorgt - etwa Piet Trantels „niemandes land“. Am Rande des Alten Harburger Friedhofs, direkt an der Bremer Straße, wurde 1993 ein Stück Land herausgelöst aus verfügbarem Grundbesitz, mit einem Wall umschlossen, um es dem menschlichen Zugriff vollständig zu entziehen und sich selbst überlassen.
Weiteres Beispiel: Das „Goldene Kalb“ von Elisabeth Richnow, das 2008 im Hamburger Hafen auf einem Ponton mit rotem Sockel vor sich hin schaukelte.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.