Geldstrafe, weil andere lärmen

Bettina G. ist verzweifelt über den Lärm aus der Wohnung über ihr. Foto: sl
SABINE LANGNER, HARBURG
Bettina G. (Name der Redaktion bekannt) versteht die Welt nicht mehr. Sie muss eine Strafe zahlen, weil andere Ärger machen. Die 45-jährige Harburgerin arbeitet als Krankenschwester im Schichtdienst und braucht ihren Schlaf, damit sie im Job keine Fehler macht. Doch mit der Ruhe war es vorbei, als eine neue Nachbarin in die Wohnung über der ihren zog.
„Seitdem die junge Frau hier wohnt, habe ich kaum einen Tag Ruhe“, sagt Bettina G. „Es klingt, als würde sie jeden Tag Möbel verschieben.“ Die Krankenschwester versuchte es mit Gesprächen. Die neue Mieterin schlug ihr die Tür vor der Nase zu. Sie wandte sich an den Vermieter. Der schrieb eine Abmahnung und versuchte es mit einem Gespräch zu dritt. Geändert hat sich nichts. Bettina G. rief sogar die Polizei. Die kam, und riet ihr eine Anzeige gegen die lärmende Nachbarin zu stellen. „Aber ich will doch niemanden anzeigen“, sagt sie.
Als dann auch noch eine Lampe von der Küchendecke krachte, weil die Nachbarin rumorte, platzte Bettina G. der Kragen. Sie wandte sich an den Mieterverein zu Hamburg von 1890. Ein Mitarbeiter riet ihr, dem Vermieter eine Mietminderung anzudrohen. Als sich nichts änderte, kürzte sie tatsächlich die Miete.
Der Vermieter schaltete sofort einen Anwalt ein und reichte Klage vor Gericht ein. Nun muss Bettina G. nicht nur die ausstehende Miete, sondern auch Strafe und die Gerichtskosten zahlen. Zu allem Überfluss hat sie auch eine Abmahnung vom Vermieter bekommen und die Androhung der Kündigung.
Der Mieterverein zu Hamburg, der gleichzeitig auch die lärmende Nachbarin vertritt, ist sich keiner Schuld bewusst. „Ich gehe davon aus, dass hier eine ganze Menge Missverständnisse zusammen gekommen sind“, sagt Siegmund Chychla (Mieterverein). „Es kann schon sein, dass unsere Mitarbeiter Frau G. empfohlen haben, dem Vermieter anzudrohen, die Miete zu kürzen, wenn er nicht dafür sorgt, dass die Hausordnung eingehalten wird. Aber ganz sicher hat er nicht gesagt, dass sie die Miete dann auch tatsächlich kürzen soll. So etwas kann man nur machen, wenn man den Mangel auch tatsächlich beweisen kann. Das ist bei Lärm sehr schwierig.“
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1 Kommentar
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Albert Böhme aus Harburg | 12.11.2012 | 15:44  
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