Gelassenes Rolls-Royce-Tempo

Gemeinsame Motorrad-Touren veranstalten die Hanse-Biker 25 bis 30 Mal im Jahr. Foto: hansebiker
 

Die Hanse-Biker machen pro Jahr bis zu 30 Touren -
Mitglieder kann jeder werden, der eine große Maschine hat,
aber die Chemie muss stimmen

Von Sabine Langner.
Diese Kraft unter dem Hinterteil, dieser weite Blick, diese Gerüche nach Staub, Asphalt, Wald oder reifem Getreide. Peter Blankenstein versucht sein Bestes, zu erklären, was die Faszination am Motorradfahren ausmacht. Dabei weiß er genau: Entweder man liebt es oder man kann damit nichts anfangen. Da hilft eigentlich auch kein langes Erklären.
Peter Blankenstein liebt es, seit er ein junger Mann war. Heute ist der ehemalige IT-Leiter der Hamburger Baubehörde 59 Jahre alt, und an der Begeisterung hat sich nichts geändert. Nur das Alleinfahren fand er immer langweilig, und so hat er vor 16 Jahren ein paar Kumpel gefragt, ob sie nicht Lust hätten, mit ihm zusammen eine Runde zu drehen. Die Geburtsstunde der Hanse-Biker.
Inzwischen sind sie 17 Mitglieder, die Motorrad fahren, darunter auch zwei Frauen. Dazu kommen die Ehepartner, Kinder und Enkelkinder, die zwar nur als Sozius hinten mit auf der Maschine sitzen, aber sonst bei jedem Treffen mitmischen. Das ist die Hanse-Crew.
25 bis 30 Touren fahren die Hanse-Biker in der Saison, die je nach Wetterlage von März bis Oktober dauert. 200 bis 300 Kilometer reißen sie dann pro Tour ab. Dazu kommen noch zwei Vier-Tages-Touren. In diesem Jahr wollen sie nach Holland und nach Rügen. Die einzigen Voraussetzungen, ein Hanse-Biker zu werden: Die Chemie muss stimmen und man muss eine Cruiser- oder Chopper-Maschine fahren mit mehr als 500 Kubikzentimeter.
Sonnenbrille
und Lederoutfit


„Wir haben es probiert mit kleineren Maschinen oder Sportmaschinen", sagt Peter Blankenstein. „Aber das ist nichts. Die müssen schneller fahren um besser in die Kurven zu kommen und dann stehen die immer im nächsten Dorf und warten. Wir fahren gelassenes Rolls-Royce-Tempo im Konvoi. Und wir haben feste Konvoi-Regeln. Dazu gehört auch, dass der Konvoi nicht auseinandergerissen wird."
Wenn sich die Biker nicht gerade "mit Sonnenbrille, Lederoutfit und coolem Bikerschmuck verkleiden und Rocker spielen", dann kennt man sie in der Szene vor allem als Organisatoren des „Nicostars Charity Rides". Jedes Jahr am zweiten Juli-Wochenende sind Motorradfahrer aus ganz Deutschland eingeladen zu einer Sternfahrt zur „Britsch", zur alten Harburger Elbbrücke. Je nach Wetter kommen bis zu 1.500 Biker mit ihren blankgeputzten Maschinen. Sie fachsimpeln, geben mit ihren Maschinen an, feiern und spenden.
Die Idee, für einen guten Zweck zu sammeln, entstand nach den Anschlägen am 11. September 2001. „Wenige Tage nach diesem Unglück haben wir eine Fahrt nach Möln organisiert und Geld gesammelt für die Kinder, die ihre Eltern in den Türmen verloren haben", erinnert sich Peter Blankenstein. Rund 3.000
D-Mark haben sie damals dem US-Konsul gegeben.
Ein Jahr später zerstört das Elbehochwasser einen Kindergarten in Jesnitz. Die Biker sammelten wieder, diesmal rund 5.500 Euro, sattelten die Maschinen und brachten das Geld direkt dorthin. „Wir wollten noch nie Spenden in dunkle Töpfe geben, sonder direkt dorthin, wo man es sehen kann", so Blankenstein weiter.
2007 brachte ein Schicksalsschlag in den eigenen Reihen die Hanse-Biker dazu, fortan nur noch für einen Zweck zu sammeln. Yella, die 21-jährige Tochter der Biker Jörg und Sybille Nicolaisen, starb an Knochenkrebs. „Elf Monate später starb ihr Vater Jörg, der unermüdlich Geld gesammelt hatte für das Kinderkrebszentrum im UKE. Wir haben live mitbekommen, wie schwer es für die Familie war, das Kind sterben zu sehen und haben beschlossen, dass wir hier helfen", sagt Peter Blankenstein.
Geld sammeln
für den guten Zweck


Inzwischen haben die Hanse-Biker insgesamt rund 40.000 Euro an die Fördergemeinschaft des Kinderkrebszentrums Hamburg gespendet. Ein Ende ist nicht abzusehen.
Am Sonntag, 12. Juli, treffen sich die Biker wieder an der Britsch. Es gibt Würstchen, Kaffee und Kuchen und jede Menge „Benzingespräche." Schön würde Peter Blankenstein es finden, wenn auch in diesem Jahr nicht nur Biker den Weg auf die Brücke finden würden sondern auch alle, „die mal einen ganzen Haufen toller Maschinen sehen wollen, oder solche, die einfach Lust haben, nette Leute zu treffen", so der Gründer der Hanse-Biker.

Hanse-Biker
Hamburg

Gründung: 1999
17 Mitglieder
Motorräder: Cruiser &
Chopper ab 500 ccm
Mitglieds-Beitrag:
25 Euro/Monat
Kontakt: www.hansebiker.de
Tel 0170 / 328 13 78
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