Geht ein Oscar in den Hamburger Süden?

Ostdeutsche Mörtelmischmaschine mit Handbetrieb: Damit kann Martin Langenbach täuschend echt das Geräusch eines tuckernden Motorboots nachahmen. Foto: cvs

„Toni Erdmann“ soll die Auszeichnung als bester nicht-englischsprachiger Film holen – der Ton des Streifens wurde in Wilhelmsburg von
„Geräuschemacher“ Martin Langenbach nachsynchronisiert

Von Christopher von Savigny.
Der Mann, der die Töne macht, sitzt am Kaffeetisch und rührt mit dem Löffel in seiner Tasse. Martin Langenbach (44) ist professioneller Geräuschemacher – bei Film und Fernsehproduktionen ist er für die akustische Untermalung verantwortlich. Zuletzt hat Langenbach den Streifen „Toni Erdmann“ von Regisseurin Maren Ade nachsynchronisiert. Jetzt geht der Film als deutscher Vertreter ins Oscar-Rennen! Ob das Vater-Tochter-Drama von der Academy nominiert wird, entscheidet sich am 24. Januar.
„Kino ist immer 50 Prozent Bild und 50 Prozent Ton“, sagt er und kommt nochmal auf das Geräusch des Löffelklimperns zu sprechen. „Man glaubt gar nicht, wie viele unterschiedliche Formen des Rührens es gibt. Die Tasse kann leer sein oder voll, klein oder groß, aus Glas, Plastik oder Porzellan. Keins klingt wie das andere.“

Studio in einer ehemaligen Margarinefabrik

Geräuschemacher – auf englisch „Foley Artists“ – sorgen beim Film für das passende Geräusch zum Bild: Immer, wenn der Wind unheimlich um die Hausecken pfeift, eine Tür knallend ins Schloss fällt, ein Motor laut aufheult oder irgendetwas explodiert, sodass man im Kinosessel unwillkürlich zusammenschreckt, dann steckt da die Arbeit des Geräuschemachers
dahinter. Rund acht bis zehn Tage benötigt Langenbach durchschnittlich pro Auftrag.
„Historische Filme gehören zum Aufwendigsten, was es gibt“, sagt er. Insbesondere bei Straßenszenen würden die Regisseure alles zeigen wollen, was die Geschichtsbücher hergäben: große Menschenansammlungen, Pferdekutschen, Handwerksbetriebe, gackernde Hühner.
„Da hat man schonmal bis zu 50 Tonspuren pro Szene“, sagt Langenbach. Nur um den Dialog braucht er sich nicht zu kümmern – denn der wird beim Dreh im Normalfall mit aufgenommen.
Das Studio des Geräuschexperten befindet sich in einer ehemaligen Margarinefabrik in der Jaffestraße. In dem etwa 180 Quadratmeter großen, schallgedämmten Raum, hortet Langenbach so gut wie alles, was Krach macht – wenn's sein muss, auch leisen Krach: raschelnde Kleidung, über 100 unterschiedlich besohlte Paar Schuhe, knarrende Türen und allerlei selbstgebastelten Krimskrams.
Hörspiele gehören ebenfalls zu Langenbachs Aufgabengebiet: „Viel anspruchsvoller“ findet der 44-Jährige diese Arbeit. „Man hat ja nicht das Bild dazu, muss also sofort wissen, was gemeint ist.“
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