Flüchtlingszelte auf dem Neuländer Platz

Zeltlager für Flüchtlinge auf dem Neuländer Platz. Foto: mag

Aktion der Innenbehörde sorgt in Harburg für Empörung

Von Bernhard Bruno.
In einer Nacht-und-Nebel-Aktion hat die Innenbehörde vor der Zentralen Erstaufnahmestation (ZEA) auf dem Neuländer Platz Zelte für 100 Flüchtlinge aufstellen lassen. Das Bezirksamt Harburg und die Bezirksabgeordneten waren nur wenige Stunden, bevor die Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes mit den Zelten anrückten, per Mail informiert worden. Entsprechend groß war die Empörung – zumal sich zuvor alle einig waren, dass ein öffentlicher Platz für die Unterbringung der Flüchtlinge kaum geeignet ist.
Für die Wortführer der geplanten Großen Koalition in Harburg, Jürgen Heimath (SPD) und Ralf-Dieter Fischer (CDU), war die Aktion der Innenbehörde ein willkommener Anlass, schon vor Unterzeichnung eines Koalitionsvertrags den Schulterschluss zu üben. In einer gemeinsamen Presseerklärung empörte sich Heimath über seine Parteifreunde im Senat: „Die Innenbehörde ist auf Grund der zunehmenden Flüchtlingszahlen ganz sicher in einer Notlage. Dennoch haben wir keinerlei Verständnis dafür, dass auf einem öffentlichen Platz Zelte aufgestellt werden und weder das Bezirksamt noch die bezirklichen Gremien vorher beteiligt oder auch nur informiert worden sind.“ Und Fischer legt nach: „Wir erwarten, dass die Behörde unverzüglich eine Ersatzfläche herrichtet und die Zelte dorthin verlagert.“
Unterdessen sind die Zelte bewohnt – und durch einen blickdichten Zaun von der Außenwelt abgeschirmt. Wer das Lager betreten will, muss an einer provisorischen Pförtnerkabine vorbei. Ein Schild verrät: „Zugang nur mit Besucherausweis.“ Wohl dem, der Deutsch versteht! Flüchtlinge, die nicht gerade in irgendwelchen Amtsstuben unterwegs sind oder einfach nur auf Formulare warten, sitzen auf den Steinmauern rund um den Neuländer Platz – und frieren.
„Es ist kalt in Deutschland“, sagt Asma al-Meezi aus dem Norden Syriens. „Aber hier sind wir sicher.“ Deutsch spricht sie noch nicht, aber sie hat einen Aramäer getroffen, der schon lange in Hamburg wohnt und für sie übersetzt. Und sie staunt über einen Mitarbeiter der Bahn AG, der mit einem großen Plas-tiksack über den Neuländer Platz streift und Abfälle aufsammelt.


Zentrale
Erstaufnahme
Gut 230 Menschen leben momentan in der Zentralen
Erstaufnahmestelle (ZEA) in der alten Post hinter dem Harburger Bahnhof. Eigentlich sollten sie maximal drei Monate in der ZEA leben und dann einen Ort finden, an dem sie längerfristig wohnen können. Aber es fehlen in der ganzen Stadt Unterbringungsmöglichkeiten. Resultat: „Allein in Harburg wohnen 57 Personen, die eigentlich längst schon woanders hätten sein sollen. In ganz Hamburg waren es Ende Juli 753 Menschen, Tendenz steigend", sagt Frank Reschreiter, Sprecher der Hamburger Innenbehörde.
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