Flüchtlinge auf dem Schwarzenberg - aber nur bis zum Vogelschießen

Seit einer Woche stehen Wohncontainer auf dem Schwarzenberg. Foto: sl

Inzwischen leben 150 Flüchtlinge auf dem Festplatz - Weitere Container geplant

Von Sabine Langner.
Ein junger Mann läuft mit gesenktem Kopf hinter einem Gitterzaun hin und her. Er schaut dabei unentwegt auf sein Handy. Auf der anderen Seite des Zaunes geht ein älteres Ehepaar spazieren und starrt ganz ungeniert auf das, was sich dahinter abspielt. Ein paar Schritte weiter hängt am Eingang einer großen Halle ein Speiseplan für die Woche vom 6. bis zum 12. Oktober. „Die leben nicht schlecht", sagt der Mann zu der Frau.
Seit einer knappen Woche wohnen auf dem Heimfelder Schwarzenberg Menschen. In nur drei Tagen hat die Innenbehörde eine Aufnahmestelle für 150 Flüchtlinge aus dem Boden gestampft. Dazu gehören Wohncontainer, zahlreiche Sanitärcontainer sowie einige Leichtbauhallen. In den nächs-ten Tagen sollen noch einmal Container für weitere 150 Menschen aufgebaut werden. 1,3 Millionen Euro lässt sich die Stadt die Miete für die Container kosten. Dazu kommen noch Kosten für Personal, Verpflegung, ärztliche Versorgung, , Kleidung, Strom und Wasser. Bis zum 31. März läuft der Mietvertrag für dieses Camp.

Harburger Bautage
starten im April


Bei einer Informationsveranstaltung in der TUHH wurden die Harburger Nachbarn über diesen schnellen Bau informiert. Gemeinsam mit Bezirksamtsleiter Thomas Völsch standen Mitarbeiter des Einwohnerzentralamtes und des Betreibers "Fördern und Wohnen" Rede und Antwort. Thomas Völsch erklärte, warum das Gelände zum 1. April 2015 wieder geräumt sein muss: „Es gibt feste Verträge mit den Ausstellern der Harburger Bautage im April.“
Auch könne man zwar den Laternenumzug und das Feuerwerk der Harburger Schützengilde kurzfristig verlegen, aber für das traditionelle Vogelschießen müsste der Platz frei sein. „Der Schwarzenbergplatz ist ein Ort für Veranstaltungen und nicht für eine Bebauung gedacht“, so Völsch.
Auch Johanna Westphalen, Leiterin des Hamburger Einwohnerzentralamtes, ist nicht glück-lich über die Lösung auf dem Schwarzenberg.
„Aber wir werden zurzeit dermaßen überrannt von Menschen in Not, dass wir alle Möglichkeiten nutzen müssen. Man kann diese Menschen ja nicht einfach vor der Tür stehen lassen. Es besteht sowohl eine moralische als auch eine gesetzliche Verpflichtung, zu helfen."
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