„Falscher“ Badeanzug: aus dem Hallenbad geworfen

Ein kurzes Badekleid und ein selbstgenähtes Oberteil sorgen für Ärger im Hallenbad Hittfeld. Foto: sl

Was zwei Harburgerinnen in der Schwimmhalle Hittfeld erlebten

Von Sabine Langner.
Bis auf die Knochen blamiert fühlen sich Bertin S. und ihre Tochter Zeyneb G. (beide Namen der Redaktion bekannt) aus Harburg. Die beiden Frauen wollten im Hittfelder Hallenbad schwimmen gehen und sind vor dem Augen aller anderen Badegäste von einer Bademeisterin hinausgeworfen worden. Begründung: Angeblich trugen sie keine angemessene Badekleidung.
Bertin S. (50) versteht die Welt nicht mehr. „Meine Tochter und ich sind beide ein bisschen übergewichtig", berichtet sie unter Tränen. „Ich habe zudem noch fiese Krampfadern und mag mich nicht im Badeanzug zeigen." Also fragte sie bereits vor drei Jahren schon einmal in der Schwimmhalle Hittfeld an, welche Art von Kleidung erlaubt sei.

Burkinis sind in
der Schwimhalle erlaubt


Sie bekam zur Antwort, dass so genannte Burkinis, also den ganzen Körper bedeckende Badeanzüge, erlaubt wären. Bedingung: Der Stoff muss aus dem typischen Badeanzugstoff, also 20 Prozent Elastan und 80 Prozent Polyamid bestehen. Obwohl beide Frauen Muslima sind, finden sie einen Burkini nicht nötig.
Also kaufte Tochter Zeyneb G. ein Badekleid, das kurz über den Knien aufhört. Mutter Bertin S. besorgte sich in einem Stoffgeschäft entsprechende Stoffe und nähte sich eine knielange Radlerhose und ein ärmelloses Oberteil. „Ich gehe seit drei Jahren so angezogen zur Wassergymnastik in Harburg. Dort ist das kein Problem", berichtet sie.
Offenbar aber in Hittfeld. „Als wir das erste Mal ankamen, sprach uns eine Bademeisterin auf die Kleidung an. Ich zeigte ihr die Etiketten und sie wünschte uns viel Spaß", erinnert sich Bertin S..
„Dreimal ging alles gut. Beim vierten Besuch hatte eine andere Bademeisterin Dienst. Und die hat uns vor allen Leuten aufgefordert, das Bad zu verlassen. Wir haben zwar das Geld zurück bekommen, aber ich schäme mich, wie noch nie in meinem Leben".
Was sagt die Gemeinde Seevetal? „ Meine Kollegen aus dem Hallenbad haben mir berichtet, dass die beiden Damen in einem Sommerkleid ins Wasser gehen wollten. Das ist aus verschiedenen Gründen verboten“, sagt Sprecherin Svenja Riebau.

Baderegeln
Das Tragen von Badekleidung ist in Hallen- und Freibädern Pflicht. In weiten Gewändern, also beispielsweise auch in weiten T-Shirts, kann man sich verheddern und damit sich und auch andere gefährden.
Zudem nimmt solche Kleidung deutlich mehr Wasser auf, das beim Aussteigen aus dem Becken auf den Boden tropft. „Mehr Wasser auf dem Boden erhöht deutlich Rutschgefahr", erklärt Svenja Riebau, Sprecherin der Gemeinde Seevetal.
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1 Kommentar
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Horatiu - Thomas Reinhardt aus Harburg | 06.12.2014 | 14:33  
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