Erinnerung an Nazi-Opfer

Klaus Möller von der „Initiative Gedenken in Harburg“ möchte die Erinnerung an die Harburger Nazi-Opfer wach halten. Foto: pr
 
In Harburg gibt es bereits mehr als 160 Stolpersteine. Dieser erinnert an Walter Kurt Horwitz. Foto: pr

Am Dienstag, 12. Juni, werden 13 weitere Stolpersteine eingeweiht

Der Kölner Künstler Günter Demnig hat es sich zur Aufgabe gemacht, an Nazi-Opfer zu erinnern - und zwar mit zehn mal zehn Zentimeter großen „Stolpersteinen“, die dort, wo die Nazi-Opfer gewohnt haben, auf Bürgersteigen eingebaut werden. Allein in Harburg gibt es über 160 solcher Betonwürfel. Auf einer Messingplatte an der Oberseite sind jeweils Namen und Lebensdaten eines NS-Opfers festgehalten. Am Dienstag, 12. Juni, kommen 13 weitere Stolpersteine hinzu.
Sie werden um 11 Uhr auf einer Gedenkveranstaltung im Haus der Kirche, Harburger Ring 20, eingeweiht. Allein sieben dieser Mahnmale erinnern an die Ermordung von Harburgerinnen und Harburgern, die in der NS-Zeit in einer Behinderteneinrichtung lebten.
Zu den Ermordeten zählt auch Ernst Mammen. Er verlebte seine Kindheit und Jugend nicht bei seiner Mutter in der Hermannstraße 4 (heute: Salzburger Häuser), sondern in den Rotenburger Anstalten der Inneren Mission, einem Ort der Zuflucht für Menschen mit geistigen, seelischen und körperlichen Behinderungen in der benachbarten Kreisstadt an der Wümme.
Er war gerade einmal 21 Jahre alt, als Adolf Hitler im Oktober 1939 den Befehl zur massenweisen Ermordung unheilbar kranker Menschen erteilte. Am 31. Juli 1941 wurde Ernst Mammen von Rotenburg in die Landesheilanstalt Weilmünster in Hessen verlegt und war fünf Monate später nicht mehr am Leben.
Neben den Stolpersteinen für sieben Harburger Euthanasieopfer werden am 12. Juni auch sechs weitere für ehemalige Bewohner dieses Stadtteils verlegt, die von den Nazis wegen ihrer politischen Überzeugungen oder ihrer vermeintlich andersartigen sexuellen Orientierung ermordet wurden.
Übrigens: Fotos Harburger Stolpersteine können im Internet auf www.gal-harburg.de angesehen werden.

Mit einem Stolperstein wird erinnert an:

Ernst Mammen, geb. 22.7.1918 in Wilhelmsburg, eingewiesen in die Rotenburger Anstalten der Inneren Mission am 22.7.1918, `verlegt´ in die Landesheilanstalt Weilmünster am 30.7.1941, ermordet am 30.12.1941.

Walter Müller, geb. am 9.8.1911 in Harburg, eingewiesen in die Rotenburger Anstalten am 24.8.1924, verlegt in die Landesheilanstalt Weilmünster am 30.7.1941, ermordet am 14. 11. 1941.

Marie Przywarra, geb. am 23.9.1898 in Harburg, eingewiesen in die Rotenburger Anstal-ten der Inneren Mission am 8.9.1911, `verlegt´ in die `Landes-Heil- und Pflegeanstalt Weilmünster´ am 5.8.1941, `weiterverlegt´ in die `Landesheilanstalt Hadamar´ im August 1944, ermordet am 24.8.1944.

Herta Schlaugat, geb. 27.6.1906 in Harburg, Rotenburger Anstalten, am 5.8.1941 verlegt in die Heilanstalt Weilmünster, ermordet am 9.1.1943.

Karl Suderburg, geb. am 16.1.1910 in Harburg. eingewiesen in die Rotenburger Anstalten der Inneren Mission am 19.8.1929, `verlegt´ in die Landes-Heilanstalt Weilmünster am 30. 7. 1941, ermordet am 11.2.1942.

Helmut Wichert, geb. am 12.3.1913 in Harburg, eingewiesen in die Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt für Geistesschwache zu Langenhagen am 5.7.1920, `verlegt´ in die `Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee´ am 7.10.1941, ermordet am 28.10.1943.

Ella Emilie Wichmann, geb. am 9.3.1918 in Harburg, eingewiesen in die Rotenburger Anstalten der Inneren Mission am 5.2.1934, verlegt in die `Heil-und Pflegeanstalt Günzburg´ am 4. 10. 1941, weiterverlegt in die `Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee´ am 17. 12. 1943, ermordet am 14.3.1944.

Heinrich Coors, geb. 28.5.1911 in Harburg, am 3.5.1945 auf den KZ-Schiffen in der Lübecker Bucht ertrunken.

Georg Einhaus, geb. 24.4.1898 in Danzig, in Haft, am 1.4.1949 an den Haftfolgen verstorben.

August Mondry, geb. 23.10.1904 in Eißendorf bei Harburg, im Bewährungsbataillon 999, seit März 1945 in Kroatien verschollen.

Heinrich Seifert, geb. 5.1.1905 in Harburg, am 14.8.1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet.

Hans August Otto Johann Möller, geb. am 11.9.1908 in Harburg, sterilisiert 1938 Eppendorf, inhaftiert 1938 KZ Fuhlsbüttel, 1938–1943 Unterbringungen in den „Heil- und Pflege-anstalten“ Langenhorn und Königslutter, gestorben am 13.11.1943 in Königslutter.

Wilhelm Heinrich Waltereit, geb. am 2. 8. 1893 in Harburg, inhaftiert von 1937–1938, 1939–1940, jeweils auch mit Haftzeiten im KZ Fuhlsbüttel, gestorben am 3.3.1941 im KZ Sachsenhausen.
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1 Kommentar
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Detlef Baade aus Neugraben | 30.05.2012 | 17:24  
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